Karl Mai [Januar 2008]
Rückblick auf die 80er Jahre der
DDR-Wirtschaft
- Daten, Klarstellungen, Bewertungen -
[Dieser Beitrag ist inzwischen von der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen in der Schriftenreihe "Diskurs. Streitschriften zur Geschichte und Politik des Sozialismus", Heft 29, Leipzig 2008, veröffentlicht worden]
Vorbemerkung
Der in Bundesdiensten tätige Historiker Stefan Wolle verkündete noch 1998 in vermeintlicher Klarsicht: „Das Ende der DDR trug alle Züge eines betrügerischen Bankrotts. Jahrelang hatte man über seine Verhältnisse gelebt, Bilanzen gefälscht, Geldgeber hintergangen, den Scheinwohlstand mit immer neuen Schulden bezahlt.“ 1 Dieses „über seine Verhältnisse gelebt“ und „Scheinwohlstand mit immer neuen Schulden bezahlt“ erinnert inzwischen an das verteufelte Verschuldungsszenario der Protagonisten eines verschärften „Sparkurses“ im gegenwärtigen Deutschland – die Dimension der Staatsverschuldung hat sich jetzt gegenüber der DDR-Endlage in Gesamtdeutschland drastisch erhöht, besonders auch bezüglich des Anteils ausländischer Geldgeber des hochkreditierten Fiskus der BRD.
Der „Bankrott der DDR“ indessen ist fester Bestandteil der in Medien verbreiteten Version des „öffentlichen Bewusstseins“ über das Ende der DDR. Auffälliges Beispiel hierfür bildet die Ausschlachtung des dramatisierten „Staatsbankrotts der DDR“ in der Neuauflage des Buches von Uwe Müller „Supergau Deutsche Einheit“ (Juli 2006), S. 58 ff. Um die DDR wirksamer in sozialpolitischer Sicht zu delegitimieren, wird die öffentliche und die schulbildungsseitig vermittelte Sicht auf die ökonomische Lage der DDR extrem „schwarz gemalt“ und von ihrem historischen Umfeld und erzwungenen Entwicklungsweg oft isoliert bewertet. So kann man z. B. bei Klaus Schröder ohne Angabe von Fakten abwertend nachlesen, die DDR befand sich „auf dem Niveau eines europäischen Schwellenlandes, etwa Portugal oder Griechenland“. 2 Gleichzeitig entsteht damit eine Art „Rechtfertigung“ für die von vielen als gescheitert erkannte Vereinigungsökonomie, die mit dem ökonomischen Rückstand und Zustand der DDR-Wirtschaft kausal verknüpft wird.
Der Mythos des DDR-Staatsbankrotts verstellte auch die Sichtweise bei Richard Schröder, der unkritisch anführte, Schürer habe 1989 zugegeben, „der Westimport des Jahres übersteige den Westexport um 14 Mrd.“ (Schröder, 72) Bei Grosser kann man dagegen nachlesen, dass die gesamten DDR-Westimporte 1989 13,9 Mrd. DM erreichten, die Exporte dorthin jedoch 12,9 Mrd. DM betrugen. (Grosser, 47)
Noch bis 1988 war in Westdeutschland die von der dortigen Forschung gestützte allgemeine Auffassung verbreitet, dass die Wirtschaftsleistung je Einwohner in der DDR vor derjenigen von England und Italien rangiere. 3 Tatsächlich rangierte die DDR zuletzt nach England und vor Spanien, wie Siegfried Wenzel schon 1998 richtig stellte. 4 Eng in Verbindung mit der Korrektur dieser Bewertung seit der Vereinigung steht auch die Legende von der „total maroden DDR“.
Im Ergebnis der „Deindustrialisierung“ durch die Treuhandanstalt (THA) und ihrer nachgelassenen Verschuldung wurde diese Legende von der „total maroden DDR“ erheblich im öffentlichen Bewusstsein verbreitet. Sie diente schon immer auch dem Ziel, die DDR nachträglich in den Augen der Ostdeutschen herabzusetzen sowie ein ideelles „Trostpflaster“ auf die sozialen Wunden der Transformationskrise Ost und der hohen Arbeitslosigkeit in den NBL zu drücken.
Achtzehn Jahre nach der Vereinigung ist das Bild der DDR rückwirkend aus ökonomischer Sicht im Ost-West-Vergleich zu präzisieren. Die Schwarz-Malerei ist zu relativieren und die Bewertungen sind enger an den nachprüfbaren Fakten zu orientieren. Die nachfolgenden Ausführungen zum „Staatsbankrott“ und zur „total maroden DDR“ stützen sich insgesamt auf eine Reihe von Angaben und Veröffentlichungen bis in die jüngste Zeit, die entweder im Literaturnachweis angeführt oder direkt mit Quellenangabe zitiert sind.
1. Zur DDR-Wirtschaftsdynamik in den 80er Jahren
1.1 Wachstumsraten und Wirtschaftsstruktur
Die langfristigen DDR-Wachstumsraten des Bruttoinlandprodukts (BIP) brauchen den Vergleich mit Westdeutschland nicht zu scheuen, wie neuere Untersuchungsergebnisse von G. Heske zeigen: Zwischen 1970 und 1989 stieg zu vergleichbaren Preisen 1995 in Euro das BIP der DDR auf 184,0 % und in der früheren BRD auf 156,0 %. (Heske, 51.) 5
Die volkswirtschaftliche Leistung (BIP je Einwohner) in der DDR stieg von 1970 bis 1989 auf 188,9 % und in der alten BRD auf 152,0 %, was eine eindrucksvolle Steigerung der DDR-Produktivität für diesen ganzen Zeitraum bedeutete. Ähnliches gilt für eine Unterteilung dieser Zeitspanne: Von 1970 bis 1980 wuchs das BIP je Einwohner in der DDR auf 147,9 %, in der alten BRD auf 129,1 %, also auch schon schneller. Und von 1980 bis 1989 stieg das BIP je Einwohner in der DDR auf 127,7 % und in der alten BRD auf 117,7 %, also im letzten Jahrzehnt insgesamt ebenfalls schneller. 6
Dies ist das generelle Ergebnis der enormen Anstrengungen der DDR zur wirtschaftlichen Entwicklung, das mit durchschnittlich 3,3 % zu höheren jährlichen Wachstumsraten gegenüber der BRD in diesem ganzen zwanzigjährigen Zeitraum führte. 7 Vergleichsweise stieg nach jüngster Mitteilung des Statistischen Bundesamtes „das Bruttoinlandsprodukt für das frühere Bundesgebiet in der Zeit von 1970 bis 1980 um durchschnittlich 2,9 % pro Jahr und im Zeitraum 1980 bis 1991 um durchschnittlich 2,6 % pro Jahr.“ 8
Dieser statistische Langzeitbefund wird manchen Leser überraschen. Dieser Fakt beim BIP je Einwohner zeigt ab 1970 eine wachsende quantitative Leistungskraft der DDR, die das Bild von der „maroden DDR“ auch im Vergleich mit Westdeutschland vor 1989 deutlich aufhellt.
Für die letzten 5 Jahre DDR-Existenz trat ein Zurückbleiben der jährlichen ostdeutschen BIP-Wachstumsraten durchschnittlich um 0,3 % gegenüber der alten BRD ein. 9 Dies findet seine Ursache auch im Außenbeitrag der DDR-Wirtschaft, der z. B. 1985 bei +7,7 Mrd. Euro und 1989 bei +5,8 Mrd. Euro lag und damit die inländische Verwendung des BIP für Investitionen herab minderte. 10
Von 1971 bis 1985 zeigten sich auch beim Volkseinkommen der DDR hohe Wachstumsraten. Für den Zeitraum 1971 bis 1975 waren dies 30,1 %, von 1976 bis 1980 22,4 % von 1981 bis 1985 24,9 % des „produzierten Volkseinkommen“. Erst in den Jahren 1985 bis 1989 trat hier ein Rückschlag ein, der für vier Jahre 13,2 % ergab. Für den Gesamtzeitraum 1981 bis 1989 war immerhin ein Zuwachs von 41,3 % des „produzierten Volkseinkommens“ zu verzeichnen, dem aber nur eine inländische Verwendung von 22,9 % gegenüberstand. 11
In den einzelnen Wirtschaftszweigen der DDR ergaben sich im letzten Jahrzehnt ihrer Existenz gegenüber 1980 folgende Zuwächse in der Bruttowertschöpfung: (Tabelle 1)
Das letzte Jahrzehnt der DDR war hiernach durch einen beachtlichen Zuwachs in der Bruttowertschöpfung von insgesamt 27,3 % gekennzeichnet, darunter im Produzierenden Gewerbe von 29,2 % und im Baugewerbe von 34,9 %. Der Zuwachs betrug für die Wertschöpfung insgesamt 1980 bis 1985 17,1 % und 1980 bis 1989 27,3 %. In den letzten 5 Jahren von 1985 bis 1989 war die Bruttowertschöpfung insgesamt noch auf 108,7 % (gegenüber 1985) angestiegen.
Tabelle 1: Zuwächse in der Bruttowertschöpfung 1989 gegenüber 1980 (Preisbasis 1995 in Euro)
|
Jahr |
Ins- ges. |
Land-, Forstwirt., Fischer. |
Produz. Gewerbe o. Bau |
Bauge- werbe |
Handel, Gastst. Verkehr |
Finanz., Vermiet., Untern.- Dienstl. |
Öffentl. + private Dienstl. |
|
1985 |
117,1 |
127,4 |
118,7 |
120,0 |
114,8 |
104,7 |
117,3 |
|
1989 |
127,3 |
109,3 |
129,2 |
134,9 |
129,5 |
119,3 |
124,2 |
Quelle: G. Heske, „Gesamtrechnung Ostdeutschland“ (2005) S. 57; eigene Umbasierung auf 1980
Zum Vergleich folgen nun auch die Angaben zur Steigerung der Bruttowertschöpfung für den Zeitraum zwischen 1970 und 1989, die sich für die DDR insgesamt auf 186 % (Preisbasis 1995), darunter im Produzierenden Gewerbe (ohne Bau) auf 189,6 % und im Baugewerbe auf 169,0 % beliefen. Diese Zuwächse erhöhten den DDR-Anteil an der gesamtdeutschen Wirtschaftsleistung in BIP wie folgt: zwischen 1970 bis 1989 von 11,2 % auf 12,9 %. Der Anteil an der gesamtdeutschen Wertschöpfung ist von 12,2 auf 13,9 % angestiegen. 12
Das Produzierende Gewerbe (einschl. Bau) erreichte 1989 in der DDR einen hohen Wertschöpfungsanteil von 49,3 %, der seit 1970 nur um 0,6 %-Punkte gesunken war. In der alten BRD wurde dieser Anteil inzwischen mit 37,0 %, um 9,2 %- Punkte niedriger ausgewiesen. 13 Dies drückt eine Zweigstruktur der DDR-Wirtschaft gegenüber der BRD aus, die der unterschiedlichen Energiebasis sowie der Integration in die getrennten Marktformen und Marktmechanismen entsprang. (Tabelle 2)
Die großen Unterschiede in den beiden o. a. Dienstleistungsbreichen folgten aus der Sozialstruktur, die für die privaten und öffentlichen Dienstleistungen quantitativ verschiedene Wirkungsfelder und qualitativ andere Aufgaben infolge der abweichenden Eigentumsstruktur und den Systemzielsetzungen einräumte.
Tabelle 2: Struktur der Bruttowertschöpfung im Vergleich DDR-BRD für 1989
|
% Land =100 |
Land-, Forstwir. Fischerei |
Produzier. Gewerbe ohne Bau |
Bauge- werbe |
Handel, Gastst. Verkehr |
Finanz., Vermiet., Untern.- Dienstleist. |
Öffentl. + private Dienstl. |
|
DDR |
2,1 |
36,3 |
13,0 |
13,4 |
6,7 |
28,5 |
|
BRD |
1,2 |
30,7 |
6,3 |
16,7 |
24,5 |
20,6 |
Quelle: G. Heske, „Gesamtrechnung Ostdeutschland“, (2005) S. 54/55
Innerhalb des „Produzierenden Gewerbes“ (= 100) lag der Anteil des „Verarbeitenden Gewerbes“ der DDR mit 65,6 % deutlich unter dem BRD-Anteil von 91,2 % bei der Bruttowertschöpfung für 1989. In der DDR wurde ein wesentlich höherer Anteil in den Zweigen von Energie- und Wasserversorgung sowie Bergbau und Steine und Erden erbracht. „Hintergrund dieser krassen Unterschiede war die Spezifik der Sicherung der Energieversorgung auf Basis der einheimischen Braunkohle in Ostdeutschland.“ 14 Die Energiewirtschaft auf Basis der einheimischen Braunkohle erforderte ständig auch einen relativ sehr hohen Anteil der industriellen Investitionen zum Nachteil der übrigen Wirtschaftszweige. Dieser geologische Faktor der DDR Energiebasis belastete die DDR-Wachstumsraten in den gesamten 40 DDR-Jahren nachhaltig negativ und konnte in keiner Weise kompensiert werden.
1.2 Investitionsquoten der DDR
Nach Forschungsangaben von 1995 verringerte sich zwischen 1975 und 1989 die gesamte Brutto-Investitionsquote von 31,36 % auf 29,48 %, stieg jedoch im Industriebereich von 14,77 % auf 17,03 % des im Inland verwendeten Volkseinkommens an (Preisbasis 1985). 15 Die absoluten Größen betrugen im Industriebereich für 1975 26,3 Mrd. Mark und für 1989 44,5 Mrd. Mark. d. h. der Stand erhöhte sich auf 169,2 % zu Preisen von 1985. Dies steht in sachlichem Widerspruch zur Aussage von Kusch u.a., die 1991 erklärten: „Eigene Berechnungen ergaben, dass das preisbereinigte physische Volumen der Investitionen im produzierenden Bereich 1987 mit 32,3 Milliarden Mark nicht größer war als im Jahre 1975“. 16 Von Stagnation oder sogar einem Rückgang speziell der Brutto-Industrieinvestitionen kann folglich in diesem langen Zeitabschnitt der DDR (1975 bis 1987) nach G. Heske's Daten keine Rede sein.
Allerdings gab es jährliche Schwankungen in der Gesamtsumme der Bruttoinvestitionen der Volkswirtschaft und daher stagnierende Zeitabschnitte. Steinitz hebt hervor, dass zwischen 1976 bis 1980 und zwischen 1981 bis 1985 die Bruttoinvestitionen auf gleicher Preisbasis annähernd gleich hoch waren.(Steinitz, 2004, 77) In den letztgenannten Zeitabschnitt fällt eine Periode deutlich höherer DDR-Handelsbilanzüberschüsse zwecks Tilgung der Devisenkredite. Faktisch waren die Bruttoinvestitionen in der vorangegangenen Zeit von 1976 bis 1980 durch die Importe aus Devisenkrediten angehoben („überhöht“), so dass zwangsläufig ein Effekt der investiven Stagnation demgegenüber im Folgezeitraum durch forcierte Tilgungen entstand.
Steiner berichtet: „Dabei lag das Investitionsvolumen zwischen 1982 und 1986 absolut unter dem Niveau von 1981.“ (Steiner, 208) Gemeint sind hier gesamten Bruttoinvestitionen. Wie sich nach den Berechnungen von Heske (auf Preisbasis 1995) zeigt, gilt dies nur für die Jahre 1982 bis 1984. (Heske, 230) Der durchschnittliche Rückgang gegenüber 1981 betrug hiernach 5,5 % und spiegelt die Anstrengungen zur Tilgung von Westkrediten in diesem Zeitraum.
Im „nichtindustriellen Produktionsbereich“ 17 schwankte die Investitionsquote (brutto) in den 80er Jahren: sie übertraf zwar das Niveau der 50er Jahre, blieb aber im Durchschnitt unter dem Niveau der 60er und 70er Jahre und lag 1989 bei 6,74 % des verwendeten Volkseinkommens (auf Preisbasis 1985). 18
1.2.1 Brutto-Investitionen nach Umrechnung auf BRD-Statistik (VGR-Abgrenzung)
Nach methodologischer Umrechnung der statistischen Primärdaten aus der DDR-Zeit auf die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung (VGR) ist seit 1997 als empirisch nachgewiesen zu betrachten: Die gesamten Brutto-Anlageninvestitionen (einschl. Bau) für 1985 in Höhe von 64,6 Mrd. M erreichten im Jahr 1989 93,0 Mrd. M und stiegen damit auf 144 % (zu laufenden Preisen). Berücksichtigt man die Veränderung des Preisindex für die Brutto-Anlageinvestitionen in Höhe von 118,2 % für diesen Zeitraum, 19 so betrug dieser Anstieg real 121,8 %.
Diese aus den Primärdaten abgeleiteten neueren Angaben „umfassen die Ergänzungen des materiellen Investitionsvolumens aus der Investitionsberichterstattung der einzelnen Wirtschaftsbereiche um die Generalreparaturen, den Aufwand für die Modernisierung von Wohnbauten durch die Baubetriebe und die privaten Haushalte, die Investitionen und Werterhaltungsmaßnahmen der öffentlichen Hand für die Verkehrsinfrastruktur.“ 20 (In welchem Umfang hierin die DDR-Importpreise gesondert preistreibend wirksam sind, ist nicht abgrenzbar.)
Im Vergleich zur BRD, die in diesem Zeitraum (1985 bis 1989) ihre Brutto-Investitionen auf 116,7 % (Preisbasis 1991) erhöhte, 21 ist dieser DDR-Anstieg auf real 121,8 % eine Leistung, die nicht bei einem insgesamt krisenhaften Endzustand der DDR-Wirtschaft erreichbar gewesen wäre.
Für eine Darstellung der Struktur der DDR-Brutto-Ausrüstungsinvestitionen liegen nur Angaben in laufenden Preisen vor. (Für die Entwicklung der Investitionen von 1985 bis 1989 sind die Daten infolge der laufenden Preisangaben nicht ohne Korrektur durch den Preisindex verwendbar.)
Diese Ausrüstungsinvestitionen verteilten sich 1985 und 1989 wie folgt auf die Sektoren:
Tabelle 3: Struktur der Brutto-Ausrüstungsinvestitionen in der DDR-Endzeit
|
(in Mark der DDR, Basis lfd. Anschaffungspreise) |
1985 |
1989 |
Struktur 1985 % |
Struktur 1989 % |
|
DDR-Brutto- Ausrüstungsinvestitionen |
30,6 |
52,3 |
100,0 |
100,0 |
|
dar.: Landw., Forstw., Fischerei |
1,9 |
3,6 |
6,2 |
6,9 |
|
Produz. Gewerbe |
21,9 |
39,4 |
71,6 |
75,3 |
|
Energiewirtschaft |
2,8 |
4,0 |
9,1 |
7,6 |
|
Bergbau |
2,6 |
3,9 |
8,5 |
7,5 |
|
Verarb. Gewerbe |
15,8 |
30,1 |
51,6 |
57,6 |
|
Baugewerbe |
0,7 |
1,4 |
2,2 |
2,7 |
|
Handel |
0,7 |
1,1 |
2,2 |
2,6 |
|
Verkehr |
3,6 |
4,2 |
11,7 |
8,0 |
|
Nachrichtlich: |
|
|
|
|
|
Wohnungsvermietung (Bauinvest.) |
9,3 |
9,5 |
-- |
* |
Quelle: „Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte” 1997/2, Akademie-Verlag, S. 65; eigene Berechnung der
Strukturangaben
* Der Bauanteil für Wohnungsvermietung betrug 1989 23 % aller Bauinvestitionen
Der extrem hohe Anteil der DDR-Ausrüstungsinvestitionen für Energiewirtschaft und Bergbau 1989 (insges. 15,1 %) war eine Folge der vollzogenen Umstellungen der Energieerzeugung von Heizöl auf einheimische Rohbraunkohle in den 80er Jahren und der hohen Aufwände einer sich geologisch stark verschlechternden Braunkohlenwirtschaft; er ging offenbar zulasten der benachteiligten Sektoren wie z. B. Baugewerbe, Handel und Verkehr, aber ebenfalls zulasten des zurückgestellten Querschnittsbereiches der investiven Umweltschutzmaßnahmen.
Die Bauinvestitionen insgesamt stiegen zwischen 1985 und 1989 von 34,0 Mrd. Mark auf 40,7 Mrd. Mark zu laufenden Preisen an, darunter bei der Wohnungsvermietung von 9,3 Mrd. Mark auf 9,5 Mrd. Mark. Damit entfielen 1989 10,2 % aller Anlageninvestitionen auf den „nicht-produktiven“ Bereich der Wohnungsbauten, womit zuletzt der hohe Anteil der Anlageninvestitionen für die Energiewirtschaft fast erreicht wurde. 22
1.2.2 Brutto-Investitionen nach Umrechnung auf „Preisbasis 1995“ in Euro
Seit 2005 verfügen wir über die Ergebnisse der statistischen Umrechnung auf Preisbasis 1995 in Euro nach neuesten Forschungsergebnissen von G. Heske (2005) auch für den Vergleich in der DDR-Zeit zwischen 1980 und 1989. Danach betrug der Anteil der Brutto-Investitionen an der Inländischen Verwendung des BIP 1980 24,0 %, 1985 22,6 % und 1989 23,3 %.23
Die absolute Höhe der Brutto-Investitionen betrug 1970 29,7 Mrd. Euro, 1975 33,7 Mrd. Euro, 1980 40,4 Mrd. Euro, 1985 41,0 Mrd. Euro und 1989 47,1 (!) Mrd. Euro (auf einheitlicher Preisbasis 1995). Diese Daten zeigen einen Anstieg der Brutto-Investitionen ab 1980 bis auf 116,6 % allein für das letzte DDR-Jahrzehnt. 24 Einen relativen und absoluten Rückschlag gab es für die Jahre 1982 bis 1984 u. a. infolge der exportabhängigen forcierten Westkredittilgungen zu Lasten der binnenwirtschaftlichen Endverwendung. Ab 1985 überstieg die absolute Höhe der Bruttoinvestionen wieder den Stand von 1981, um dann bis 1989 einen Anstieg auf 113,2 % gegenüber 1985 zu erreichen. (Heske, 230)
Nach den Daten von G. Heske kann man zeigen, welchen Betrag die jährliche Summe aus den Brutto-Investitionen plus/minus den saldierten Außenbeiträgen im Zeitverlauf von 1978 bis 1989 erreichte – als Ausdruck der Gesamtverwendung der Wertschöpfung ohne jeden Konsumtionsanteil.
Tabelle 4: Brutto-Investitionen plus Außenbeitrag 1978 bis 1989
(Mrd. Euro, Preisbasis 1995)
|
Jahr |
Brutto- Investitionen |
Saldo (+ -) Außenbeitrag |
Summe Brutto-Inv. plus Außenbeitrag |
Index 1978 =100 |
|
1978 |
40,0 |
- 5,4 |
34,6 |
100 |
|
1979 |
38,5 |
- 3,9 |
34,6 |
100 |
|
1980 |
40,4 |
- 4,3 |
36,1 |
104,3 |
|
1981 |
40,2 |
- 1,7 |
38,5 |
111,3 |
|
1982 |
37,0 |
2,7 |
39,7 |
114,7 |
|
1983 |
37,8 |
5,8 |
43,6 |
126,0 |
|
1984 |
39,2 |
7,4 |
46,6 |
134,7 |
|
1985 |
41,6 |
7,7 |
49,3 |
142,5 |
|
1986 |
42,5 |
8,0 |
50,5 |
146,0 |
|
1987 |
44,0 |
7,0 |
51,0 |
147,4 |
|
1988 |
47,2 |
5,4 |
52,6 |
152,0 |
|
1989 |
47,1 |
5,9 |
53,0 |
153,2 |
(Heske, 230)
Diese summarische materielle Gesamtbelastung für den erweiterten Reproduktionsprozess wurde real durch die DDR-Wirtschaft in der Wertschöpfungsphase erbracht. Diese Leistung wuchs zwischen 1978 und 1989 von 34,6 Mrd. Euro auf 53,0 Mrd. Euro, dabei stetig auf 153,2 % (ohne jede Unterbrechung) an. (Siehe Tabelle 4) Erst diese bewertungsmäßige Einbeziehung der saldierten Außenbeiträge erlaubt die tatsächliche Feststellung, dass die DDR-Wirtschaft ein beachtlich hohes kontinuierlich steigendes materielles Aufwands- oder Leistungsergebnis für ihre Reproduktion mit Einbeziehung der Außenwirtschaft auch zwischen 1978 und 1989 erbrachte. Die rein binnenwirtschaftliche Akkumulationsquote kann diesen Aufwand nicht korrekt widerspiegeln.
In Westdeutschland erreichten die Brutto-Investitionen an der Inländischen Verwendung 1980 24,2 % (Preisbasis 95, Euro), 1985 21,7% und 1989 22,9 % des BIP. 25 Die Investitionsquote in vergleichbaren Angaben war hier im letzten Jahrzehnt etwas niedriger als in der DDR. Dies wirft die Frage auf, wie die quantitative Abgrenzung einer „Unterakkumulation“ (nach Steinitz, 2004) für die DDR sinnvoll erfolgen kann. (Pkt. 1.3)
1.2.3 Netto-Investitionen nach DDR-Angaben
Ein wichtiges Kriterium bilden auch die Netto-Investitionen, die bekanntlich allein aus dem Volkseinkommen entspringen. Nach Sinn/Sinn erreichten die Netto-Investitionen der DDR 1989 43,7 Mrd. Mark der DDR, bei einem "produzierten Volkseinkommen" von 260,4 Mrd. Mark. 26 Ihre Quote (am VE) für die gesamte Wirtschaft betrug hiernach zuletzt 16,8 %, darunter ca. 7 % allein für die hohen forcierten staatlichen Wohnungsinvestitionen. Die westdeutsche Netto-Investitionsquote am VE war 1989 mit 9,8 % (!) sogar noch niedriger, 27 was bei den üblichen DDR-„Katastrophen-Szenarien“ (beim Vergleich BRD-DDR) zumeist stillschweigend übergangen wird. 28
Im Zeitraum 1971 bis 1980 lag der Verbrauch im Inland weit über dem produzierten Volkseinkommen, und zwar im Durchschnitt jährlich um 21. Mrd. Mark (Ost). 29 Diese aus der Außenwirtschaft stammenden Mittel erlaubten u. a. eine relative Anhebung der Netto-Investitionsquote im „produzierenden Bereich“ der DDR. In der folgenden Periode musste sodann ein entsprechender Ausgleich zu Lasten des im Inland verwendeten Volkseinkommens erfolgen, der die Netto-Investitionsquote reduzierte, woran vor allem die Tilgung der West-Devisenkredite ursächlich beteiligt war.
Im Verlauf der 80er Jahre war folglich ein Rückgang der Netto-Investitionsquote zu verzeichnen, der auch durch den Entzug von produziertem Volkseinkommen durch die Außenwirtschaft von 1981 bis 1988 in Höhe von 80,4 Mrd. Mark der DDR begründet war. 30 Nach Neuberechnung von G. Heske belief sich der Außenbeitrag der DDR von 1980 bis 1989 auf +43,8 Mrd. Euro oder +85,8 Mrd. DM (Preisbasis 1995). Hierin widerspiegelten sich neben den hohen Zins- und Tilgungszahlungen für die Devisenkredite der DDR (auch aus der Vorperiode) die extrem ungünstigen Relationen der Exportpreise zu den Binnenpreisen in DDR-Mark.
In den „produzierenden Bereichen“ der DDR-Wirtschaft schwankte die Netto-Investitionsquote zwischen 1980 und 1989: sie sank von 12,4 % (1980) auf 8,1 % (1985) und stieg danach zuletzt wieder an auf 10,1 % (1989). 31 Ein Ausgleich erfolgte zur Finanzierung von investiven Großvorhaben durch zentralisierte Amortisationen zwischen 1981 und 1988 in Höhe von rd. 50 Mrd. M, 32 d. h. also im Rahmen der gesamten Brutto-Investitionen, ging jedoch zulasten einer verringerten Aussonderung verschlissener Altanlagen der DDR und eines erhöhen Reparaturaufwandes 33 sowie unterlassener Rekonstruktionen der veralteten Umweltschutzanlagen.
Steinitz verweist auf DDR-Angaben von 1990, wonach die volkswirtschaftliche Netto-Akkumulationsrate (ohne Abschreibungen) von 29 % im Jahre 1970 auf 26,2 % im Jahre 1980 und 21,8 % im Jahre 1989 zurückging. (Steinitz, 2004, S. 77) (Diese Angaben sind auf das im Inland verwendete Volkseinkommen bezogen und daher leicht abweichend gegenüber der Relation zum „produzierten Volkseinkommen“.) Die absoluten Angaben für die Netto-Investitionen waren auch im letzten Jahrzehnt ansteigend. „Die Nettoinvestitionen waren 1989 mit 49 Mrd. Mark um 4,5 % größer als 1980 und um 24 % größer als 1985.“ (Steinitz, 2004, 78) In den produzierenden Bereichen ging jedoch der Anteil der Netto-Investitionen am im Inland verwendeten Volkseinkommen von 12,4 % auf ca. 9 % im Durchschnitt der Jahre 1983 bis 1989 zurück. (ebd., 75) In den „Nicht produzierenden Bereichen“ der DDR-Wirtschaft dagegen schwankten die Brutto-Investitionen zwischen 1980 und 1989 nur geringfügig und lagen zuletzt bei 14,9 Mrd. Mark (auf Preisbasis 1985). 34
Parallel dazu stiegen die Verteidigungs- und Sicherheitsausgaben der DDR von 1980 bis 1989 an und lagen für das Jahr 1989 um 8,6 Mrd. M oder 65 % höher. 35 Zweifellos ging ein Teil dieser „unproduktiven“ Ausgabenerhöhung auch zu Lasten der Netto-Investitionen im produktiven Sektor der DDR-Wirtschaft.
1.3 Zum Stand und Verschleißgrad des Kapitalstocks
Die buchmäßigen Anlagebestände im produktiven Sektor der DDR-Wirtschaft gibt Siegfried Wenzel für 1988 mit 1.200 Mrd. Mark der DDR an, die sich nach den frühen 1990er Treuhandangaben (Rohwedders) auf ca. 600 Mrd. DM bezifferten. (Wenzel, 2000; 171) Darunter fielen 767 Mrd. Mark der DDR auf die Industrieanlagen, die 2 : 1 nach der Währungsunion umgerechnet auf 383,5 Mrd. DM kamen.
Nicht eingerechnet sind in die 600 Mrd. DM lt. Wenzel der Wert der Bodenflächen für die Industrieanlagen, der Wert der Land- und Forstwirtschaftsflächen, das Finanzvermögen und das bauliche Verwaltungsvermögen, das gesamte Auslandsvermögen, das mobile Vermögen der NVA (Waffenbestände und Vorräte mit ca. 200 Mrd. DM) (Wenzel, 2000: 175/176)
Im Jahre 1988 waren 1684 Mrd. Mark der DDR als Kapitalstock der gesamten Volkswirtschaft statistisch erfasst, darunter 665 Mrd. Mark Ausrüstungen. Der Verschleißanteil des gesamten DDR-Kapitalstocks betrug zuletzt ca. 46 %, bei den Ausrüstungen sogar 55 % der buchmäßigen Brutto-Werte. 36 Der buchmäßige Verschleißgrad der Ausrüstungen der DDR überschritt statistisch etwa um 10 Punkte die international üblichen Referenzwerte, was einem dementsprechenden Rückstand von Ausrüstungs-Investitionen in Höhe von 66,5 Mrd. M oder ca. 125 % der letzten Jahresinvestitionen entsprach.
1 .3.1 Zur Lage in den Wertschöpfungsbereichen
„Trotzdem wies dieser Kapitalstock eine beträchtliche Differenzierung auf. Er umfasste zu Teil auch moderne, dem wissenschaftlichen Höchststand entsprechende Produktionsabschnitte und ganze Betriebe... die Erdöl- und Erdgasverarbeitung, Produktionslinien der Chemie, der Walzstahlverarbeitung, der Elektronik, des Schwermaschinenbaus, des Schiffbaus des Werkzeugmaschinenbaus, der gehobenen Konsumgüterindustrie und die landwirtschaftliche Großproduktion. Völlig veraltete Grundfonds gab es im Gießereiwesen, in der Aluminiumproduktion, in der Lebensmittelindustrie, im Verkehrswesen, bei Post- und Fernmeldewesen und auch im Gesundheitswesen“, berichtet Wenzel. (Wenzel, 2000;172)
An der Spitze des Verschleißgrades bei Ausrüstungen lagen in der DDR die Bauwirtschaft und das Post-/Fernmeldewesen. Bei den Ausrüstungen lag die Hälfte der Wirtschaftszweige mit bis zu 8 Punkten über dem durchschnittlichen Verschleißanteil. Deutlich zurückgeblieben war auch der Querschnittsbereich der investiven Umweltmaßnahmen, für den zwischen 1980 und 1989 nicht mehr als 1,7 % der gesamten jährlichen Investitionen in der Volkswirtschaft zur Verfügung standen. 37
Speziell bei den Ausrüstungen der Industrie existierten 1989 ca. 20 % (= 133 Mrd. M Brutto-Anschaffungswert) völlig abgeschriebene Anlagen, die seit 1980 um 6-% -Punkte angestiegen waren. „Das Durchschnittsalter der Ausrüstungen in der Industrie betrug in der DDR 18 Jahre, in der Bundesrepublik 8,3 Jahre.“ (Grosser, 45)
Hierin spiegelt sich bis zuletzt noch der nachwirkende gewaltige Fehlbetrag an Investitionen der Jahre nach dem 2. Weltkrieg bis zum Ende der Reparationen. Damals erreichte die DDR im Jahre 1950 nur eine Brutto-Investitionsquote von 15 %, die erst 1961 auf den Stand von 24,3 % gelangen konnte, d.h. es bestand direkt nach dem 2. Weltkrieg eine mehr als 15 jährige Periode der erheblichen ökonomischen Unterreproduktion. 38
Immerhin waren 1989 50 % der Ausrüstungen der Industrie nicht älter als 10 Jahre (in der BRD 65 %), und 27 % der Anlagen waren bis zu 5 Jahre alt (in der BRD 35 %). 39 Diese DDR-Altersstruktur der Anlagen lag also im innerdeutschen Vergleich zurück, war z. B. mit 27 % in der Altersgruppe bis 5 Jahre zwar leicht rückläufig, aber noch beachtlich hoch angesichts des hohen und sogar steigenden RGW-Exportanteils des DDR-Maschinenbaus, bei dem der dringende Eigenbedarf zumeist zwangsweise zurückgesetzt wurde. Die anteiligen Ausrüstungen der Altersgruppe über 20 Jahre Nutzungsdauer blieb zwischen 1975 und 1989 konstant bei 21 % , was die unzureichende Aussonderung veralteter Ausrüstungen und damit auch eine faktische anhaltende Unterakkumulation erkennen lässt.
Nach Wenzel vergrößerte sich der Verschleißgrad der Ausrüstungen bis 1988 im Bauwesen auf 67,0 %, im Verkehrswesen auf 52,0 %, in der Land- und Nahrungsgüterwirtschaft auf 61,3 % und in der Industrie auf 53,8 %. (Wenzel, 2000; 13) Die faktisch erbrachten, mangels Ersatzinvestitionen sehr hohen Instandhaltungsaufwendungen erreichten 1988 ca. 50 Mrd. Mark, darunter 38 Mrd. Mark für Ausrüstungen und 12 Mrd. Mark für Bauanlagen einschließlich 8,2 Mrd. Mark für das Wohnungswesen. 40
Nach Grosser waren nur 30 % des Streckennetzes zwei- oder mehrgleichsig, der Anteil elektrifizierter Streckenabschnitte betrug 27 %. „Ungenügende Kapazitäten, der schlechte Zustand der Gleisanlagen, der Verschleiß der Fahrzeuge“ bildeten einen Engpass des schienengebundenen Verkehrswesens. (Grosser, 45) Im Gleisoberbau konnte der Baubedarf in den letzten 10 Jahren in Höhe von 30 % nicht mehr gedeckt werden. 224 Eisenbahnbrücken mussten mit eingeschränkter Geschwindigkeit befahren werden. Steiner führt an: „Von den nach Kriegsende demontierten Gleisen fehlte 1989 auf 520 km des Streckennetzes noch immer das zweite oder dritte Gleis.“ (Steiner, 208)
Im Straßennetz der DDR wiesen 55 % erhebliche Schäden mit Verkehrseinschränkungen auf. (Kusch u.a., 61) Die negativen Fakten ließen sich fortsetzen, zeigen jedoch in der Summe die Folgen der Konzentration der überstrapazierten Investitiosanstrengungen im industriellen Kernbereich, u. a. für die Energieversorgung und den Export.
Auch die Ausstattung mit Anlagen in manchen Zweigen im Wirtschaftsbereich sowie mit Bauten auf kommunaler und regionaler Ebene war vergleichsweise zur BRD stärker veraltet, mangelhaft oder z. T. stark vernachlässigt.
Die DDR litt in den 80er Jahren zweifellos noch immer unter einer historisch überkommenen „Unterreproduktion“ ihrer Kapitalanlagen, die anfänglich noch aus der Ära der Reparationen nach 1945 stammte: damals waren die bei Kriegsende vorhandenen Kapzitäten in zahlreichen Branchen zwischen 20 % und 80 % verloren gegangen, was die modernsten Anlagen betraf. (Steiner, 29) . Später wurden auch die veralteten Anlagen oft weiter genutzt, weil sie nicht sofort ersetzbar waren: 1989 sind 21 % der Ausrüstungen der DDR-Industrie älter als 20 Jahre gewesen, dagegen in der BRD nur 6 %. (Kusch u. a., 56, Grafik) Die relativ älteren Bestände an Ausrüstungsinvestitionen in der DDR bedingten anteilig auch einen höheren Kapitalkoeffizienten, der bei Sinn/Sinn mit 4,8 für 1989 angegeben wird, gegenüber 3,3 für die BRD. 41
In den 80er Jahren zeigte sich, dass ca. 50 Mrd. Mark von der Verwendung als übliche Ersatzinvestitionen zugunsten der zentralisierten Neuinvestitionen umgelenkt wurden. Dabei zählt auch, dass allein der Ausrüstungsanteil einen Altersrückstand von durchschnittlich 10 % gegenüber internationalen Referenzwerten erreichte, woraus sich – wie erwähnt - mindestens 66,5 Mrd. Mark rückständige Investitionen errechnen lassen. (Kusch u. a., 55) Besonders verschlechterte sich der DDR-Bauzustand: die unteren Bewertungsstufen III und IV erreichten einen Anteil von 51 %. „Statt der erforderlichen 14,3 Mrd. Mark Bauproduktion für Baureparaturen und Modernisierungen wurden 1988 nur 8,2 Mrd. Mark aufgewendet.“ (Kusch u. a., 63,65)
1.3.2 Zum Wohnungsbau in der DDR-Endphase
Im Rahmen der Investitionstätigkeit der DDR kam dem Wohnungsbau, insbesondere dem Neubau, eine große sozialpolitische Bedeutung zu, der allerdings zu Lasten industrieller Bauten forciert wurde. Zwischen 1980 und 1989 stiegen die Investitionen in den Wohnungsneubau von 7,6 Mrd. Mark auf 8,5 Mrd. Mark (Preisbasis 1985) je Jahr nach DDR-Angaben an. Sie erreichten in diesem Jahrzehnt ein Volumen von 83,2 Mrd. Mark. 42
Zwischen 1971 und 1989 wurden 1.869 Tsd. Wohnungen als Neubau fertiggestellt und 236 Tsd. Wohnungen durch Um- und Ausbau rekonstruiert. Weitere 1.162 Tsd. Wohnungen wurden in ihrer Ausstattung modernisiert. Der Anteil der Wohnungen mit Bad/Dusche erreichte 1989 82 % und der Anteil mit Innen-WC 76 %. Der Wohnungsbestand nahm um 945.Tsd. Wohnungen zu. Zwischen 1970 und 1989 nahm auch der Umfang an Baureparaturen auf 293 % zu (auf vergleichbarer Preisbasis), was von außerordentlichen Anstrengungen der Bauwirtschaft zeugt. (Tesch, 24, 38, 40)
Im Vergleich zur BRD erreichten die wohnungswirtschaftlichen Kenndaten 1990 folgenden Stand:
Tab. 5: Strukturdaten zum Wohnungsbestand 1990 im Vergleich DDR - BRD
|
Kennziffer |
Maßeinheit |
BRD |
DDR |
|
Wohnungsbestand |
1000 |
26.839 |
7.017 |
|
Wohnungen/Tsd. Einw. |
Anzahl |
421 |
438 |
|
Wohnungen/Tsd. Haush. |
Anzahl |
939 |
1051 |
|
Wohnfläche je Wohnung |
Quadratmeter |
86,5 |
64,4 |
|
Wohnfläche je Einw. |
Quadratmeter |
36,4 |
28,2 |
|
Räume je Wohnung |
Anzahl |
4,4 |
3,8 |
|
Räume je Einwohner |
Anzahl |
1,9 |
1,6 |
Quelle: Tesch, 44
Ab 1976 erreichte und überschritt erstmals der jährliche Wohnungsneubau in der DDR je 1000 Einwohner den rückläufigen Stand in der BRD bis zu Jahre 1989, während der BRD-Stand zwischen 1960 und 1975 im Durchschnitt mehr als doppelt so hoch war. Es „fehlten über Jahrzehnte hinweg in der DDR mehrere Hunderttausend Bauarbeiter“. (Tesch, 58)
Wie die Tabelle zeigt, war die Versorgung mit Wohnraum je Tsd. Einwohner und auch je Tsd. Haushalte in der DDR günstiger als in der BRD, während die Ausstattung der Wohnungen hinsichtlich der Fläche und der Anzahl der Räume in der BRD günstiger lag.
Hinsichtlich der Beheizung der Wohnungen wurde zwar bereits ein Viertel des Bestandes mit Fernwärme versorgt, aber 71 % mussten noch mit festen Brennstoffen, davon 48 % mit Einzelofenheizung versorgt werden. (Kusch u.a., 62)
„ Immerhin bewirkte der Bau von rd. 2 Millionen Wohnungen, die während der knapp zwei Jahrzehnte von 1971 bis 1989 gebaut worden waren, dass die Altersgruppe der Vorkriegswohnungen (Fertigstellung bis 1946) in dieser Zeit um 25 % schrumpfte, und zwar von über 79 v. H. Im Jahre 1971 auf 54 v. H. 1989.“ Der durchschnittliche Verschleißgrad der Wohnungen betrug 1989 42 % und hatte sich damit gegenüber 1975 kaum verändert. 43 Diese Sachlage bestätigt, dass die ökonomischen Potenziale der DDR-Bauwirtschaft deutlich unterproportional entwickelt waren.
1.4 Zum Stand der Arbeitsproduktivität 1989
Die volkswirtschaftliche Produktivität in der DDR lag 1989 noch deutlich unter der in Westdeutschland, wobei die statistischen Angaben hierzu schwanken. Die offizielle Verlautbarung der Bundesregierung von 1995 bezifferte die volkswirtschaftliche Produktivität im Vergleich mit der Bundesrepublik für das Ende der 80er Jahre mit „weniger als 30 %.“ 44
Wenzel führte die DDR-Ergebnisse aus einer Neuberechnung von 1990 an, die für das BIP je Einwohner 53 % und je Beschäftigten 45 % des westdeutschen Niveaus betrugen. (Wenzel, 2000; 37)
Heske hat erstmals das DDR-BIP auf Preisbasis 1995 in Euro neu berechnet und kommt zu begründeten Ergebnissen auch für 1989. Danach erreichte die Produktivität der DDR 1989 je Kopf das Niveau von 56 % und je Erwerbstätigen von 45 % im Vergleich zu Westdeutschland. (Heske, 67) Der Rückstand betrug hiernach also 44 % bzw. 55 %.
Zur Frage, wie hoch der Rückstand in der volkswirtschaftlichen Produktivität zu Beginn der Existenz der DDR im Jahre 1950 war, gibt Wagner folgende Auskunft: „Für das Jahr 1950 besteht ein relativ breiter Konsens darüber, dass die Produktivität in der DDR höchstens zwei Drittel des Niveaus der Bundesrepublik betrug. Das heißt, ein Drittel des gleichen Ausgangsniveaus war bereits in der Zeit von 1945 bis 1950 verloren gegangen“ infolge des sowjetischen Reparationsregimes (Schulz/Wagner, 123). Nach Blum ist für 1950 ein Niveauvergleich von 40 % Ost zu West begründet: „... so erscheint ein Ausgangsniveau der ostdeutschen Wirtschaft von etwa 40 % des westdeutschen Niveaus im Jahre 1950 als durchaus plausibel.“ 45
Nach Blum wird also – bei Einbeziehung der Daten von G. Heske für 1989 - für die Zeit der Existenz der DDR ausgesagt, dass sich das Niveau ihrer Produktivität zwischen 1950 und 1989 von 40 % auf 56 % des westdeutschen Niveaus entwickelte, sich deren Abstand also um 16 %-Punkte verringerte.
Dass jedoch ein enormer Rückstand auch schon 1950, also im Anfangsniveau der DDR-Produktivität bestand, erklärt sich nach Angaben der Wirtschaftsforschung von 1995 daraus, „dass im Zuge der Reparationslieferungen und der weitgehenden Orientierung der DDR-Wirtschaftspolitik an sowjetischen Interessen bis 1953/54 eine gewaltige Investitionslücke entstand,“ so „dass die DDR bis in die sechziger Jahre hinein eine im west- wie im osteuropäischen Vergleich ausgesprochen niedrige Investitionsquote aufwies.“ 46
Vorstehendes legt jedoch zumindest die Folgerung nahe, dass die DDR den gewaltigen Anstieg der westdeutschen Produktivität je Einwohner in diesem Zeitraum nach 1950 vergleichbar bewältigte, indem sie ihren Rückstand nicht erhöhte, sondern verringert – eine Feststellung, die später offiziell ignoriert wurde. 47 Nach Wagner wird der DDR-Rückstand in der ganzen Zeit ihrer historischen Existenz nicht wieder aufgeholt, „im Gegenteil, er nahm noch zu“. (Schultz/Wagner, 123) Allerdings hat Wagner dies nicht mit Daten belegt, und es widerspricht auch dem unter Pkt. 1.1 gezeigten und begründeten höheren Anstieg der DDR-BIP-Leistung je Einwohner.
In einigen Hauptzweigen erreichte die DDR-Wirtschaft 1989 einen teilweise beachtlichen Stand der relativen Wertschöpfung im Vergleich zur alten BRD, so z. B. im Baugewerbe 96 %, im Gastgewerbe 70 %, bei öffentlichen und privaten Dienstleistungen 67 %.
Im Durchschnitt erreichte die Wertschöpfung je Beschäftigten zwar nur 45 % für alle Wirtschaftszweige, aber dies entsprach der Wertschöpfung im Produzierenden Gewerbe (ohne Baugewerbe) und im Handel mit ebenfalls 45 %. (Heske, S. 66)
Im Verarbeitenden Gewerbe (als Teil des Produzierenden Gewerbes) konnte die Wertschöpfung je Beschäftigten nicht über 34 % der westdeutschen Vergleichszahl hinaus gelangen, da hier die Inflexibilität des RGW-Marktes eine tief greifende weitere Spezialisierung und Kooperation behinderte und damit kostenoptimale Vorteile der Großserienproduktion zu weniger nutzbar wurden. Dies führte in diesem Zweig zu einer außerordentlichen Sortimentsbreite für den Eigenbedarf der DDR mit unzureichender skalarer Kostensenkung und zu geringer Innovationsintensität. „Experten schätzten, dass die DDR etwa 50 % des Weltsortiments an Maschinen und Anlagen produziert hat, wodurch in ungeheurer Breite wissenschaftlich-technische Entwicklungsarbeit geleistet werden musste, die sich nur in relativ kleinen Serien amortisieren konnte.“ (Wenzel, 1998b; 32)
Mit der Produktivitätsentwicklung eng verknüpft war die Entwicklung der DDR-Potenziale für Innovationen und der Ausgaben für Forschung und Entwicklung. 1986 waren in der DDR 75,9 Tsd. Wissenschaftler und Ingenieure, in der BRD dagegen nur 131,5 Tsd. in den technischen Entwicklungsbereichen tätig. (Kusch u.a., 40) Die Ausgaben pro Person beliefen sich in der DDR auf 136,3 TM je Jahr, in der BRD dagegen auf 409,9 TDM. Dies zeigt für die DDR die „unzureichende Ausstattung mit modernen Forschungsmitteln“, woraus eine „mangelnde Effizienz des beträchtlich erhöhten personellen Aufwandes für Forschung und Entwicklung“ resultierte. (Kusch u.a., 43) Dies hatte u. a. negative Rückwirkungen auf die Innovationsrate der DDR-Exportindustrie und verstärkte den Verfall der Erlöse im Westexport besonders ab 1985. „Aber gerade auf diesem Gebiet erwies sich das Planungssystem als strukturell schwach... ebenso wie die Startbedingungen und die überdimensionierten Sicherheitsaufwendungen die Möglichkeiten für Innovationen beschnitten...“. 48 Dieser Einschätzung der zitierten „Deutschen Wirtschaftsgeschichte“ ist zutreffend.
1.5 Zur Verknappung der Brennstoff- und Rohstofflieferungen für die DDR
Bekanntlich war die DDR ab 1957 in vollem Umfang von der Rohstoffversorgung durch die Sowjetunion abhängig, was auch die zwingende strategische Abhängigkeit von deren Erdöllieferungen einschloss. „Vom Gesamtimport der DDR aus der UdSSR waren 70 Prozent Rohstoffe und Material.“ (Schürer, 1999; 75)
Hier trat für die zweite Hälfte der 70er Jahre jedoch eine dramatische Lage ein, weil die Sowjetunion damals definitiv nur die Hälfte des geplanten DDR-Bedarfs an Erdöl, Erdgas, Walzstahl, Aluminium, Kautschuk, Kupfer u. a. befriedigen konnte. (Wenzel, 2005, 21) Später musste bei Erdöl ab 1982 eine Reduzierung der jährlichen Lieferungen um 2 Mio. Tonnen hingenommen werden, wodurch hohe technologische Folgeinvestitionen in der Mineralölverarbeitung von 7 Mrd. Mark und zur Ablösung von Heizöl und Importgas in der Wirtschaft von 12 Mrd. M unvermeidbar wurden. (Schürer, 1996; 380; Wenzel, 1998; 87, 91)
„ Eine kritische Zuspitzung der Situation trat ein, als die Sowjetunion 1981 die Liefermenge ... um zwei Millionen Tonnen senkte und damit der DDR den wichtigsten Rohstoff für ihre Westexporte verknappte“ und zu Vertragspreisen über dem Weltmarktpreis gleichzeitig verteuerte. 49 Gleichzeitig fielen verkürzte Erdgaslieferungen ins Gewicht, die bei den Stahlwerken durch Heizöl kompensiert werden mussten.
Dies begrenzte die Effektivität der Energiewirtschaft 50 sowie der materiellen Basis der Verarbeitenden Industrie der DDR, insbesondere ihre technische Modernisierung, versetzte sie zu geringeren ökonomischen Möglichkeiten und beeinträchtigte stark den LKW- und Diesellok-Transport infolge scharfer administrierter Treibstoffrestriktionen. „Wie die Störfreimachung zeigte die Heizölablösung erneut die hohe technische Manövrierfähigkeit der DDR-Wirtschaft, welche aber auf Kosten der Wirtschaftlichkeit ging und den Verbrauch an Ressourcen erhöhte“, vermerkt die „Deutsche Wirtschaftsgeschichte“. (North, 2000; S. 408)
Zwischen 1975 bis 1985 betrugen die Importe der DDR aus der UdSSR 260 Mrd. Mark (Valutagegenwert), wovon 154 Mrd. (59 %) reine Preissteigerungen für Erdöl waren. Diese hohen Preissteigerungen mussten durch Erzeugnisse der Verarbeitenden Industrie ausgeglichen werden, wodurch sich die entsprechende Binnenverwendung in der DDR für diese Güter (Maschinenbau, Elektrotechnik, Schiffbau) außerordentlich verknappte. 51 Zwischen 1985 und 1988 gingen die langfristig vereinbarten Lieferungen aus der Sowjetunion im Zuge der Perestroika-Politik bei Zink auf 50%, bei Apatitkonzentrat auf 70 %, bei Schnittholz auf 53 % zurück. Die wichtige Steinkohlenlieferung (Umleitung aus Polen) sank von 6 Mio. Tonnen in den 60er Jahren auf 4 Mio. Tonnen 1986 und auf 300.000 Tonnen 1988. Auch andere Rohstofflieferungen gingen empfindlich zurück, wie z. B bei Blei, Manganerz, Chromerz u.a.m. (Wenzel, 2005; 22; Schürer, 1999; 75)
Die Restriktionen in der Rohstoffversorgung sowie die vertraglichen Preisanhebungen für den SU-Import von Mineralöl in den 80er Jahren (mit ihren komplexen investiven Folgewirkungen) belasteten die DDR-Wirtschaft im letzten Jahrzehnt gravierend und trugen zu deren verminderte Effektivität wesentlich bei. Hinzu kamen nach 1985 Forderungen der Sowjetunion unter Gorbatschow, für die Mineralöllieferungen z. T. in konvertiblen Währungen zu zahlen. 52
1.6 Zu den Ursachen der ökologischen Misere
Wie Jörg Roesler zeigte, hatten die DDR und die BRD in den 70er Jahren in etwa gleichzeitig begonnen, dem Umweltschutz zunehmende Aufmerksamkeit zu widmen. Im Fünfjahresplan von 1971 bis 1975 waren erstmals 7 Mrd. Mark für den Umweltschutz geplant. Doch schon der nächste Fünfjahresplan enthielt kein geschlossenes Umweltprogramm mehr, da sich die Investitionslage in der DDR hierfür verschlechterte. 53
Die SED-Führung hatte seit Ende 1982 einen verschärften Kurs der Geheimhaltung von Umweltbelastungen und der damit verbundenen Investitionen betrieben. Auf kaum einem anderen Gebiet klaffte „eine solche riesige Lücke“ (H.F. Buck) wie beim Umweltschutz in der DDR, der im Zuge des kalten Krieges buchstäblich dem forcierten Systemwettbewerb zum Opfer fiel. Die DDR konnte zwischen 1980 und 1988 nicht mehr als 0,5 % des produzierten Volkseinkommens für den Umweltschutz aufwenden. 54 Dies war nur ca. ein Drittel des westdeutschen Anteils von 1,6 %. Technologische Entwicklungen zur Luftreinigung in den Braunkohlenkraftwerken konnten nicht flächendeckend investiert werden. 55 So bildeten ökologische Schutzmaßnahmen den absoluten Engpass der DDR-Wirtschaft in der Endphase, der zu enormen Umweltbelastungen führte.
Die ökonomische Endlage der DDR kann nicht ohne die extreme ökologische Misere umrissen werden, die auf der Basis der Rohbraunkohlen-Energetik nach 1950 entstand. 56 Offenbar war dies ein nicht vorausgesehenes Ergebnis der wirtschaftlichen Teilung Deutschlands im Jahre 1949 und der daraus langfristig erwachsenden Folgen durch die Primärenergieerzeugung auf Braunkohlenbasis im Osten des Landes. „Bis 1989 war die DDR mit weitem Abstand vor allen anderen Staaten der größte Umweltverschmutzer bei Schwefeldioxid und Staub in Europa, “ beklagte H. F. Buck 1996. 57 6 Mill. Bürger der DDR waren unzulässigen Emissionen von Schwefeldioxid und 4,3 Mill. Bürger unzulässigen Staubbelastungen ausgesetzt. Je Einwohner wurden 1988 313 kg Schwefeldioxid und 132 kg Staub in die Luft emittiert. (Im Vergleich dazu wurden in der BRD 18,6 kg Schwefeldioxid bzw. 7,5 kg Schwebstaub je Einwohner ausgebracht.)
Die unzureichende, teils ungefilterte Verbrennung der Rohbraunkohle für die Energieerzeugung und Heizung in den erforderlichen riesigen Dimensionen führte (bei teilweise fehlenden hocheffektiven Lösungen für die Luftreinigung) im Langzeitraum zum ökologischen Sündenfall der massiven Luftverschmutzung mit Schwefeldioxyd, Stickstoffdioxid und Staub: in den braukohlenbefeuerten Heiz- und Heizkraftwerken fielen 51 % des Schwefeldioxids, 34 % des Staubes, 27 % der Stickoxide und 39 % des Kohlendioxids an. Ein hoher Anteil umweltschädigender Emissionen entfiel auch auf die mit Kohleöfen betriebenen Wohnungsheizungen. 58
Infolge der investiven Strukturschwächen und anderweitigen Prioritäten der Wirtschaftspolitik entstand neben der eskalierenden Luftbelastung auch ein großer Rückstand an hygienischen Wasseraufbereitungsanlagen. Infolge des Mangels an Klärwerken wurden 1987/88 47 % der gesamten organischen Abwasserlast ungereinigt in die ostdeutschen Flüsse eingeleitet. Durch nitrathaltiges Trinkwasser waren 1988 1,394 Mill. Bürger belastet, darunter 10.734 Einwohner mit einer extremen Nitratbelastung von > 150 mg/l. Eine großflächenhafte Verseuchung entstand im natürlichen Grundwasser infolge der Überlastung der landwirtschaftlichen Böden mit chemischen Dünge- und Pflanzenschutzmitteln sowie mit der Ausbringung von organischen Gülle-Abwässern der Viehwirtschaft. 59 1989 waren nur 60 % der Einwohner der DDR an eine moderne Kanalisation und zentrale Abwasserbehandlung angeschlossen, gegenüber 86,5 % der Einwohner der BRD. 60
Hier konnte die ganze Breite der ökologischen Probleme der DDR nur knapp gestreift werden, die in der Tat seit 1990 in dramatischer Weise bekannt wurden und einerseits mit den Belastungen aus der Braunkohlennutzung bei fehlender oder unzureichender Filtertechnologie, mit Rückständen in deren ökonomischer Effizienz (energetischer Wirkungsgrad) und andererseits mit investitionspolitischen Zwangslagen und Prioritäten der DDR begründet sind.
Die Endlage der DDR-Ökologie ist jedoch kein einmaliger Zustand innerhalb des RGW-Wirtschaftsblocks – in anderen realsozialistischen Ländern gab es vergleichbare Rückstände beim Umweltschutz, in Abhängigkeit von den wirtschaftsgeographisch-geologischen Bedingungen, Energieerzeugung und hierbei insbesondere der Brennstoffnutzung und Verstromung von Kohle sowie unter dem Zwang der Forcierung des volkswirtschaftlichen Wachstums im Kalten Krieg.
2. Zur Staatsverschuldung 1989/90
Die Bundesbank hatte bereits im Juli 1990 die Konsolidierte Bilanz des Kreditsystems der DDR per 31. Mai 1990 bekannt gegeben, wonach der Saldo von Auslandsforderungen und Auslandsverbindlichkeiten -19,3 Mrd. DM betrug. 61 Diese Höhe der saldierten Devisen- Auslandsschulden wurde danach 1999 endgültig mit -19,9 Mrd. VM für das Endjahr 1989 bestätigt.62 Der kumulierte Passivsaldo im Innerdeutschen Handel betrug 1989 4,0 Mrd. VE, 63 der formal nicht als Devisen-Bankkredit, sondern als zinsloser Verrechnungsswing (in VE) zählte.
Allerdings hatte die Wirtschaftsforschung bereits 1996 klar erkannt: „Tatsächlich war die Zahlungsbilanzsituation der DDR Ende 1989 weniger dramatisch als aus den Selbstzeugnissen Schürers und Schalks hervorgeht.“ 64 Im August 1999 teilte die Deutsche Bundesbank offiziell mit: „Für die DDR-Verantwortlichen stellte sich diese Entwicklung freilich erheblich bedrohlicher dar, da ihnen überhöhte Zahlen der Verschuldung und des Schuldendienstes vorgelegt wurden.“ 65 Dies bezieht sich allein auf die äußere Verschuldung der DDR in West-Devisen. Jedoch Stefan Wolle stützte noch 1998 die inoffizielle Legende: „Die DDR stand 1989 kurz vor der Zahlungsunfähigkeit.“ 66
Die gesamte Staatsverschuldung der DDR für 1990 veränderte sich noch geringfügig gegenüber 1989. Sie wird bei verschiedenen Autoren unterschiedlich hoch angegeben, je nachdem, welche Posten hierin einbezogen werden. Nicht umstritten sind 38 Mrd. DM Schulden für die Kreditfinanzierung des Wohnungsbaus der DDR (aus Sparguthaben der Bevölkerung), 28 Mrd. DM Schulden des Staatshaushalts zu Lasten des Kreditsystems und 23 Mrd. DM Netto-Auslandsschulden im Westhandel. 67 In der Summe ergibt dies 66 Mrd. DM innere und 23 Mrd. DM äußere Staatsschulden, insgesamt 89 Mrd. DM Gesamtschulden.
Die Bundesregierung rechnete zu den inneren DDR-Schulden zusätzlich die 104 Mrd. DM „Altkreditschulden“ der THA-Betriebe und 26 Mrd. DM „Restausgleichsposten“ aus der Währungsumstellung. Dies sind aber umstrittene finanztechnische Zurechnungen bzw. Zwangsposten aus der Währungsumstellung. Damit erhöhte man die innere DDR-Staatsverschuldung um 130 Mrd. DM zu Ende 1990 auf 196 Mrd. DM. Dies ergab 219 Mrd. DM Gesamtverschuldung. (Abweichungen hierzu sind infolge Einbeziehung von Posten unterschiedlichen Ursprungs bei verschiedenen Autoren zu finden.)
Tabelle 6: Deutsche Staatsverschuldung 1990 (Mrd. DM)
|
|
Äußere Kreditgeber |
Innere Kreditgeber |
Summe Staats- Verschuldung |
|
DDR-Staat |
23,0 |
196,0 (66,0) + |
219,0 (89,0) + |
|
BRD-Fiskus * |
220,6 * |
704,2 |
924,8 ** |
+ In Klammern inoffizielle Angabe (siehe Text)* Öffentliche Haushalte insges. Verschuldung bei ausländischen Kredit gebern Stand 1990/07 lt. Bundesbank Statistikreihe bb_bq 1715 sowie Stat. Taschenbuch, Pkt. 1.27, ** für 1989
Bezogen auf das BIP von 353 Mrd. DM 68 für das letzte Jahr der SED-Herrschaft (1989) betrug die offizielle Verschuldungsquote 62 %. Rechnet man aus dieser DDR- Verschuldungsquote die fragwürdigen 104 Mrd. DM „Altkredite“ der THA-Betriebe heraus, so beläuft sich diese Quote nur auf 32,6 % des BIP. Demgegenüber erreichte die BRD-Staatsverschuldung 1989 924,8 Mrd. DM oder 41,6 % des BIP. 69 Wenig beachtet blieb, dass die Außenverschuldung des BRD-Fiskus die zehnfache Höhe der äußeren DDR-Schulden in Devisen erreicht hatte. (Tab. 5), was durch die hohen laufenden Exportüberschüsse der BRD verdeckt war.
2.1 Zur Außenverschuldung der DDR
Die West-Außenverschuldung der DDR entstand auf der Basis der Export-/Import-Salden in Verbindung mit der Zahlungsbilanz in konvertibler Währung. Die Außenhandelssalden entwickelten sich in den letzten 10 Jahren DDR-Jahren wie folgt:
Tabelle 7: Salden im Außenhandel mit West-Staaten (einschl. BRD, in Mio. DM)
|
|
1979 |
1980 |
1981 |
1982 |
1983 |
1984 |
1985 |
1986 |
1987 |
1988 |
1989 |
|
Export |
7576 |
8617 |
10955 |
12375 |
13010 |
14366 |
14472 |
12214 |
11239 |
11570 |
12595 |
|
Import |
9057 |
9352 |
11094 |
10463 |
11971 |
11491 |
12271 |
11593 |
11901 |
12352 |
13907 |
|
Saldo |
-1481 |
-735 |
-139 |
+1912 |
+1039 |
+2875 |
+2201 |
+621 |
-662 |
-782 |
-1312 |
(Quelle: Grosser, 47)
Der Saldo in der Summe der Jahre 1979 bis 1989 betrug damit immerhin +3537 Mio. DM, worin sich Exportanstrengungen der DDR kumulierten. In den letzten drei DDR-Jahren hatte sich der Saldo wieder verschlechtert, wodurch die Außenhandelsbilanz für diese Zeit um kumulative -2756 Mio. DM absank. (Grosser, S. 47) Dies ergab, bezogen auf die 35404 Mio. DM der gesamten Exportleistung dieser drei letzten Jahre, eine fehlende Exportsumme von 7,78 %. Diese Relation kann man nicht als katastrophal im Sinne eines endgültigen Scheiterns der DDR deuten, obwohl sie anwachsende Schwierigkeiten im Westhandel anzeigte.
Forschungsergebnisse (1996) ergaben, dass sich die DDR-Außenverschuldung gegenüber dem Westen wie folgt entwickelte:
Tabelle 8: West-Außenverschuldung der DDR 1981 bis 1989
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(in Mrd. DM) |
1981 |
1985 |
1986 |
1987 |
1988 |
1989 |
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Bruttoverschuldung im Ausland |
27,8 |
34,7 |
30,6 |
29,0 |
29,4 |
32,3 |
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Guthaben i. Ausland (Forderungen) |
5,0 |
19,1 |
16,0 |
16,1 |
16,7 |
17,9 |
|
Netto-Verschuldung im Ausland |
22,8 |
15,6 |
13,6 |
12,9 |
12,7 |
14,4 |
|
Kum. Passiv-Saldo Innerdeutscher Handel (IDH) |
3,7 |
3,5 |
4,1 |
4,3 |
3,9 |
4,0 |
|
Ges. Zahlungsdefizit im Westen |
26,5 |
19,1 |
17,7 |
17,2 |
16,6 |
18,4 |
(Quelle: „Am Ende des realen Sozialismus“, Bd. 2, S. 60/61)
Diese Angaben ohne IDH zeigen, dass 1981 die Quote der Netto- an der Bruttoauslandsverschuldung mit 82,0 % weitaus höher lag als 1989 mit 44,6 %. Der Verschuldungsgipfel gegenüber dem westlichen Ausland (ohne IDH) war also 1989 lange überschritten. Die Nettoauslandsverschuldung war außerdem 1989 niedriger als 1985.
Zu Ende 1989 belief sich das Netto-Zahlungsdefizit auf 209 % der Jahresausfuhr in die westlichen Industrieländer (ohne IDH). 1981 hatte diese Relation 407 % betragen, war also vergleichsweise weitaus ungünstiger. In absoluter Höhe war 1989 das gesamte West-Zahlungsdefizit auch niedriger als 1985. „Tatsächlich war die Zahlungsbilanzsituation der DDR Ende 1989 weniger dramatisch als es aus den Selbstzeugnissen Schürers und Schalcks hervorgeht.” 70 Diese begründete Feststellung widerlegt die „Enthüllungsstory” über den „Staatsbankrott“ bzw. eine Zahlungsbilanzkrise der DDR zu Ende 1989.
Nach Angaben der Commerzbank von 1990 verfügte die DDR für 1989 formal über beachtliche Devisenreserven, die im Verhältnis zum jährlichen Importbedarf relativ noch 3fach höher waren als im RGW-Durchschnitt vorhanden. 71 Die Bundesregierung übernahm 7,6 Mrd. DM Devisen-Guthaben auf den verfügbaren DDR-Auslandskonten. Bis zuletzt blieb die DDR pünktlicher Schuldendienst-Zahler im Verkehr mit ihren westlichen Gläubigerbanken.
Die DDR war selbst für ca. 9,5 Mrd. US-Dollar Kreditgeber an „befreundete” ausländische Staaten, so dass die Bundesregierung diese Forderungen Ende 1990 übernehmen konnte. Allein gegenüber 11 Entwicklungsländern bestanden Ende 1990 DDR-Forderungen in Höhe von 6,75 Mrd. DM.
Eine dramatische Verschlechterung der Exportergebnisse in Valutamark wurde auch dadurch unvermeidlich, dass sich im Westhandel in den achtziger Jahren der Aufwands-Erlös-Faktor von Mark zu Valutamark von 2,4:1 bis auf 4,4:1 erhöhte. Das „im Inland verwendete Volkseinkommen” der DDR in den Jahren 1981 bis 1988 wuchs nur um 1.801,8 Mrd. Mark, während sich das „Produzierte Volkseinkommen” um 1.882,9 Mrd. Mark erhöhte. 72 Die Differenz von 81,1 Mrd. Mark war faktisch durch die Außenwirtschaft verloren.
Allein für das eine Jahr 1989 wird von G. Heske der dadurch bedingte Außenbeitrag der DDR auf +5,9 Mrd. Euro (auf Preisbasis 1995) oder +11,5 Mrd. DM beziffert, 73 ein realer ökonomischer „Blutverlust“ der DDR, der so hoch nicht dauerhaft tragbar war. Die DDR-Statistik „wertete” die West-Importe zu Binnenpreisen im umgekehrten Verhältnis 1: 4,4 auf: dies erhöhte später dann u. a. die berüchtigten „Altkreditschulden” der DDR-Industrie nach der Währungsunion.
Die Devisen-Zinslast betrug zuletzt, bezogen auf die saldierte West-Auslandsverschuldung insgesamt, etwa 2,2 Mrd. DM. 74 Daher stieß die Höhe des Schuldendienstes (Zinsen plus Tilgungen) hart an die Grenzen des erschwerten Exports in die Devisengläubiger-Länder. Gleichzeitig reduzierten auch die hohen Rückzahlungsverpflichtungen (mit Zinsen) den im Inland noch verfügbaren Zuwachs an Volkseinkommen pro Jahr spürbar, mit analogen Wirkungen auf die jährlichen inländischen Endverwendungen.
Zunehmende Schwierigkeiten für die Stabilisierung der DDR-Westverschuldung wurden bereits 1987 in einem internen Papier von Schalck-Golodkowski (an Günter Mittag) avisiert, worin er einen jährlichen Exportüberschuss ab 1991 von mindestens 5 Mrd. VM als notwendig erkannte, der jedoch nur bei Einsatz von 20 Mrd. M (1 : 4) an laufendem Volkseinkommen erreichbar wäre. 75
Dies bestätigt eindeutig: die immer ungünstigere Preisrelation von Inland- zu Exportpreisen (zuletzt 4 zu 1) wirkte als ein Hauptfaktor der latent kritischen und zu niedrigen West-Exporterlöse und damit der Devisenzwangslage der DDR. Hier erwies sich die laufende West-Kreditgewährung an die DDR in der Vorperiode als bequemes Mittel zur Strangulation der DDR über die Exportpreisbildung, die marktseitig realisiert wurde.
Doch die DDR-Aktiva im Westhandel lagen zu Ende 1989 nominell „immerhin noch bei 29 Mrd. VM und deckten 59,3 % der Verschuldung ab. Das Verhältnis der Auslandsaktiva zu den Importen belief sich auf 158 %, das heißt sie entsprachen den Einfuhren von 1 ½ Jahren“, befand eine Studie der Deutschen Bank aus dem Jahre 1999. 76 Der Verschuldungssaldo im Westhandel wurde dort für Ende 1989 mit -19,9 Mrd. VM amtlich beziffert.
Nach Angaben von H. Modrow wurde mit der Auflösung des KoKo-Bereiches im Jahre 1990 von ausländischen Geheimkonten die Summe von 4,0 Mrd. DM auf Staatskonten als Guthaben transferiert, so dass sich nach Modrows Aussage die Devisen-Auslandsverschuldung 1990 von 21 auf 17 Mrd. DM netto verringerte. 77
Die anfängliche Dramatik der DDR-Auslandsverschuldung im „Schürer-Geheimpapier“ vom Oktober 1989 – die auch Uwe Müller überbetont - ergab sich aus einer politisch motivierten „Vereinfachung“: man hatte dort faktisch als „Auslandsverschuldung“ die Brutto-Verschuldung in Höhe von 49 Mrd. VM angegeben und die Netto-Verschuldung von 19,9 Mrd. VM ausgeklammert, und Egon Krenz war mit dieser höheren Angabe sogar nach Moskau zu Gorbatschow wegen Hilfeleistung gereist. „Die Auslandsverschuldung der DDR war also mit 20,3 Milliarden DM um mehr als die Hälfte niedriger, als wir es im Oktober 1989 mit den 49 Milliarden Valutamark … ausweisen mussten“, korrigierte Gerhard Schürer später selbst sein irritierendes bzw. desinformierendes „Geheimpapier“. 78 Dieses Eingeständnis Schürers findet aber in den westdeutschen Medien wenig Beachtung, weil es ein beliebtes Argument gegen die DDR entkräftet.
Hierzu liegt mit der Angabe für 1989 von 19,9 Mrd. Netto-Schulden der DDR auch die spätere amtliche Richtigstellung der Deutschen Bank 79 vor, die weitgehend die vorherige Panikmache des „Geheimpapiers“ entkräftet – von Uwe Müller immer noch unbeachtet, weil dies nicht in sein Konzept für das DDR-Bild passt. 80 Müller rekurriert lieber auf einen „bis zuletzt vertuschten Staatsbankrott“ (S. 59), den er als Fakt betrachtete und emphatisch kommentiert. „Die Wende 1989 ist deshalb auch nicht durch eine akute Zahlungsunfähigkeit ausgelöst oder begleitet worden“, stellte dagegen Armin Volze klar. 81
André Steiner lieferte ebenfalls ein sachliches Urteil, wenn er schreibt: „Dabei belief sich die politisch relevante Verschuldung in konvertiblen Devisen auf 15, Mrd. Valutamark und damit auf 8,5 Mrd. Dollar... Diese Größenordnung scheint, quantitativ betrachtet, durchaus beherrschbar gewesen zu sein. Insofern war die DDR im engeren Sinne tatsächlich (noch) nicht pleite.“ 82 Steiner klammert hier offenbar den Passivsaldo im Innerdeutschen Handel aus. Die Chance, die Devisenlage generell zu verbessern, hing allerdings von der Ungewissheit der künftigen politischen Stabilität der SED-Herrschaft ab, noch selbst zu einer drastischen Korrektur ihrer Wirtschaftspolitik zu gelangen.
2.2 Zur inneren Verschuldung der DDR
Die innere Verschuldung der DDR spielte eine gewisse Rolle im Zuge der politischen Delegitimierung der DDR, nachdem sie nach der Währungsunion gleichsam „aufgestockt“ wurde. Steiner belegt: „1970 lag die Verschuldung des Staatshaushalts beim Kreditsystem noch bei rund 12 Mrd. Mark, bis 1980 stieg sie kumuliert auf 43 Mrd. Mark und belief sich 1988 auf 123 Mrd. Mark. Ende 1989 erreichte sie schließlich 130 Mrd. Mark.“ (Steiner, 207) Per 31.5.1990 waren als innere Kreditquellen des Staates die staatlichen Betriebe mit 27,8 Mrd. DM und die Privatpersonen mit 123,4 Mrd. DM auf der Passivseite der „Kreditbilanz der DDR“ ausgewiesen worden. 83 Später gab dann die Treuhand hohe „Altkredite“ für die Unternehmen an, die nach der Währungsumstellung fiktiv entstanden.
Diese saldierten „Schulden” resultierten überwiegend aus Zwangskrediten für die normalen Investitionen, weil die betrieblichen Gewinne und zumeist auch die Amortisationen zuvor durch den Staat zentralisiert wurden – so blieb den Betrieben zur operativen Finanzierung oft nur der Weg zum Kreditantrag. Investitionskredite der DDR- Betriebe waren eine in den letzten Jahren verbreitete Form der Finanzierung von normalen bzw. auch „außerplanmäßigen“ Investitionen.
Die hohen „Altkreditschulden“ der DDR-Betriebe bildeten also eine Folge der angeordneten Kreditfinanzierung für Investitionen, insbesondere auch die Kehrseite der Bewertung für investive West-Importe zu Preisen von 1: 4,4 in der inneren DDR-Verrechnung für die Importabnehmer. Dadurch wurden die jungen, noch labilen Treuhandunternehmen nach der Währungsunion für diese Importe nachträglich noch zusätzlich in ihrer Finanzlast „bestraft“ und hohen Zinslasten zugunsten westdeutscher Banken ausgeliefert. Die Schulden der THA-Betriebe sind im Kern ein nomineller Schuldtitel: das DDR-Staatseigentum kann sich nicht an seinen Eigentumsträger, also an den Staat, in realer Weise selbst verschulden.
Wie die bilanzseitige Manipulation der Altkredite zustande kam, ist wie folgt nachzulesen: „Wenn z. B. einem Betrieb 1989 eine Anlage für 30 Mill. DM beschafft wurde, dann wurde sein Konto dafür mit 132 Mill. Mark (30 x 4,40) belastet. Bei der Währungsunion ab 1.7.1990 wurde die Schuld unsinniger Weise 1 : 2 auf 66 Mill. DM umgestellt und war damit mehr als doppelt so hoch wie der ursprüngliche Preis der Anlage.“ 84
Auch folgende bankseitige Manipulation ist bemerkenswert: Während die großzügige Währungsumstellung Mitte 1990 den DDR-Bürgern einen Umtausch in begrenzter Höhe von 1: 1 brachte, gelangte gleichzeitig ein Betrag von 26,4 Mrd. DM als zusätzlicher Ausgleichsposten in die Staatsverschuldung (der DDR) – als Kehrseite der westdeutschen „Großzügigkeit“.
3. Einige Historische Besonderheiten der DDR-Geschichte
Die vorstehenden Daten zur Wirtschaftsdynamik und zur Verschuldung der DDR sind erst im Kontext mit der DDR-Geschichte sachgerecht einschätzbar, wobei auch die Periode vor dem Mauerbau 1961 nüchtern zu bewerten ist.
3.1 Spezielle Ursachen/Faktoren der Ausgangslage
Unmittelbar nach dem Kriegsende wurde die Sowjetische Besatzungszone (SBZ) einem harten Zwangsregime unterworfen, das mit einem gewaltigen Abzug von ökonomischen Ressourcen zunächst als Beute, danach als Demontagen und sodann als laufende Produktionsentnahmen für Reparationsforderungen verbunden war.
Die Kontributionen umfassten allein 1945 den Abtransport von 21.834 Waggons mit Industriegütern und Anlagen, 73.493 Waggons mit Baustoffen und Einrichtungsgegenständen aus Privatwohnungen sowie 241.788 Waggons mit erbeuteten Lebensmitteln. Außerdem wurden 1945 447.741 Tonnen Schwarz-, Bunt- und Edelmetalle verladen. 85 Aus der Sicht der verwüsteten sowjetischen Westgebiete war dies zwar verständlich, blieb aber ebenso ein nachwirkender Akt gegen die wirtschaftlichen Potenziale der Bevölkerung der SBZ, die auch weiterhin die Hauptlast der materiellen Entschädigungen an die Sowjetunion in der Nachkriegszeit tragen sollte.
Vom Rest des noch unzerstörten Nationalreichtums der SBZ zu Kriegsende von mehr als 94 Mrd. Reichsmark (RM) wurde ein sehr bedeutender Teil (insbesondere moderner Ausrüstungen) durch die Demontagen als Reparationsleistungen an die Sowjetunion (bis 1953) abgezogen. Steiner gibt an, dass sich das Bruttoanlagevermögen der SBZ 1948 gegenüber 1945 von 123,1 % auf 74,3 % des Standes von 1936 (= 100 %) verminderte, d. h. auf 60 % im Vergleich zum Kriegsende 1945. (Steiner, S. 28)
Das Besatzungsregime hatte mindestens 30 % der industriellen Kapazitäten von 1944 in der SBZ zerstört, vorwiegend durch Demontage der Anlagen und Sprengung der Bauten der früheren Rüstungsindustrie. So z.B. verfügte die SBZ 1946 nur noch über äußerst geringe installierte Kraftwerksleistung. Militärische Forschungsbasen, Patente und Spezialisten wurden 1945 von amerikanischen und sowjetischen Sonderkommandos auf dem Territorium der SBZ requiriert.
Die Demontagen im Nachkriegsdeutschland verliefen stark asymmetrisch in den einzelnen Besatzungszonen. „Während demnach die britische und die amerikanische Zone mit einem Kapitalstock beginnen konnten, der mit 111 % deutlich größer war als 1936, wurde die französische Zone durch die Demontagen etwa auf den Stand von 1936 zurückgeworfen. Am härtesten traf es die SBZ, deren Bruttoanlagevermögen auf etwa drei Viertel des Vorkriegsstandes schrumpfte.“ 86 Die Hauptlast der Demontagen entfiel auf die SBZ, die insgesamt auch die Hauptlast aller Reparationen für die Sowjetunion trug.
Der Umfang aller dieser Verluste in der SBZ in Form der Demontage von vorwiegend industriellen und verkehrstechnischen Ausrüstungen, Kriegsvorräten an Rohstoffen und Lebensmitteln, laufenden Produktionsentnahmen und sonstigen Requirierungen wurde von der westdeutschen Forschung insgesamt auf 54 Mrd. RM (Preisbasis 1944) bzw. 14 Mrd. US-Dollar (Preisbasis 1938) geschätzt. 87 Dieser Umfang übertraf noch die Gesamtsumme der nach dem Krieg aus den USA geleisteten Marshall-Plan-Hilfe nach dem westlichen Europa insgesamt und war ca. 12fach höher als der für die drei Westzonen bestimmte Anteil hiervon. Nach Steiner kommen dazu noch „etwa 1 bis 2 Mrd. RM, die für die 'intellektuellen' Reparationen“ (Abtransport von Spezialisten und Patenten in die Sowjetunion) zu rechnen sind. (Steiner, S. 33)
Der Verwendungsanteil für laufende Reparationen aus ostdeutschem Bruttosozialprodukt war 1945-1953 zweieinhalb Mal höher als derjenige in Westdeutschland. Er sank von 48,8 % im Jahre 1946 auf 12,9 % im Jahre 1953 ab. (Steiner, S. 33) Bis zu 8 Jahre nach Kriegsende wurde infolge dieser Reparationen die Erneuerung bzw. Wiederherstellung der vorherigen modernen Produktionsbasis verhindert, d.h. es musste nach der Ausschlachtung überwiegend bzw. weit verbreitet von der verminderten Substanz gezehrt werden. Industrielle Arbeitsteilung und Kooperation wurden enorm gestört und verzögert. Zusätzlich wirkten sich die materiellen Disproportionen mit voller Härte aus, die sich aus dem Zonengrenzregime und der damit verbundenen Zertrennung alter, überkommener West-/Ost-Lieferbeziehungen ergaben.
Im Jahre 1950, noch vor Ende der Reparationen, lag die DDR um ca. 30 bis 50 % im Niveau der volkswirtschaftlichen Arbeitsproduktivität gegenüber der BRD zurück. 88 Ein mittlerer Wert, der von Prof. Blum (IWH) akzeptiert wird, liegt bei 40 %. 89 Die nachfolgenden Jahre haben diese Relation offiziell dann nicht wesentlich zugunsten der DDR verbessern können: 1989 erreichte die DDR 56 % des Standes der BRD und damit einen deutlichen, aber nur begrenzten Langzeiterfolg.90
Zwischen 1946 und 1953 betrugen die Reparationen (aus laufenden Produktionsentnahmen) ca. 22 % des kumulativen Bruttosozialprodukts, die den im Inland zu verbrauchenden Anteil des erzeugten Volkseinkommens stark minderten. Die Brutto-Investitionen in allen Wirtschaftsbereichen lagen 1950 bei 15,0 % des Volkseinkommens, in der Industrie bei 6,5 %. 91 Die möglichen Netto-Investitionen betrugen 1950 nur 5,8 % des im Inland verwendeten Volkseinkommens.
Es zeugt von oberflächlicher Bewertung der Folgen der Demontagen, wenn das restliche bestehende Produktionspotential in der SBZ je Einwohner lediglich quantitativ betrachtet und mit dem westdeutschen Potential je Einwohner verglichen wird – entscheidend sind die qualitativen Auswirkungen der Demontagen auf die innere Struktur des Kerns des Produktionspotentials der SBZ, die infolge des Verlustes der moderneren Anlagen und wichtiger produktiver Einrichtungen hinzunehmen waren und einen desolaten und disproportionalen Produktionsapparat hinterließen . 92 Dies belastete die spätere Entwicklung der DDR erheblich, wenngleich sie diese auch nicht vollständig determinierte. 93 Jörg Roesler stellte daher korrekter Weise fest: „Es ist demzufolge sehr wahrscheinlich, dass der größte Teil der Produktivitätsverluste in der späteren DDR in beträchtlichem Maße auch auf die Demontage der modernsten Ausrüstungen und auf – durch die Demontage verursachte – branchenstrukturelle Fehlentwicklungen zurückzuführen ist..“ 94 Es ist nicht übertrieben, von einem „dramatischen Ausmaß der Investitionslücke der fünfziger Jahre“ zu sprechen, „die eine wesentlich negative Strukturpräfiguration darstellt“. 95
Die Abtrennung des DDR-Territoriums aus dem früheren Wirtschaftsverbund des Deutschen Reiches führte zu harten Anforderungen an eine DDR-Strukturpolitik zwecks Überwindung der entstandenen Lücken im Produktionsapparat. „Durch die Herauslösung aus dem nationalen Wirtschaftsverband Gesamtdeutschland wurde die DDR von ihren wichtigsten Rohstoff. Und Energiequellen ... getrennt; die Umrüstung der Steinkohlekraftwerke auf Braunkohle war durch die Demontage von 40 % der Braunkohle-Bergbaukapazitäten erheblich erschwert und nicht ausreichend,“ vermerkte 1989 das „Deutschland Handbuch“. 96
In den ersten DDR-Jahren waren (zusätzlich zu den Reparationen sowie zeitlich anschließend) noch spürbare Verluste infolge der offenen innerdeutschen Grenze zu tragen, die sich auf Materialressourcen und Humanpotentiale erstreckten. Der Bevölkerungsrückgang zwischen 1949 und 1960 betrug ca. 10 %.
Die Zeit der offenen Grenze bis Mitte 1961 war von spezifisch innerdeutschen Ost-West-Verlusten geprägt: Diese hohen direkten und indirekten Verluste an Wirtschaftsressourcen und -potenzialen führten zu einem kumulierten Aderlass der DDR zugunsten der BRD, der über ein Jahrzehnt (1950-1961) hinweg die reale Akkumulation der DDR-Wirtschaft reduzierte. 97 Die Abwanderung aus der DDR allein zwischen 1951 und 1961 betrug 2,1 Mio. Menschen. 98 Steiner beziffert die Produktionsverluste von 1951 bis 1961 auf etwa 120 Mrd. Mark insgesamt. Die durch Übertritt über der Westgrenze der DDR verursachte Höhe des Verlustes an Ausbildungskosten gibt er mit 16,3 Mrd. Mark an. 99 Insgesamt schätzt er den jahresdurchschnittlichen Verlust 1951 bis 1960 auf 3,7 Mrd. Mark der DDR offenbar viel zu niedrig ein, weil er den gesamten Produktionsverlust nicht berücksichtigt, sondern hieraus nur 24 Mrd. Mark „Einnahmeausfälle für den Staatshaushalt“. Korrigiert man diesen Fehler, dann kommt die jährliche Verlusthöhe in diesem Zeitraum bereits auf 13,6 Mrd. Mark.
Uwe Müller hebt den riesigen Technologie-Transfer hervor, der mit dem aus den Gebieten östlich der Zonengrenze einsetzenden Abwanderungen von ca. „360.000 Unternehmen und Gewerbe“ nach Westdeutschland verbunden war. 100
Es ist folglich nicht übertrieben festzustellen, dass rückblickend die DDR ihre ausreichenden internen Investitionsquellen und ein leistungsfähigeres Profil erst einige Jahre nach dem Mauerbau 1961 gewann. Siegfried Wenzel betont daher korrekt: „Das heißt, rd. 30 % der für die realsozialistische Wirtschaftsentwicklung in der DDR zur Verfügung stehenden Zeit bestand zunächst aus fortwährenden Eingriffen in die Substanz der Produktion, aus Improvisationen, unökonomischen Notlösungen und Ungewissheit hinsichtlich der Deckung des Rohstoffbedarfs. Das waren die dreizehn Jahre, in deren zweiter Hälfte sich das Wirtschaftswunder der BRD voll entfaltete.“ (Wenzel, 1999; 36) Als „unökonomische Notlösung“ erwies sich auch später das enorme ineffektive Ablösungsprogramm für den Mineralölverbrauch mittels der forcierten Braunkohlennutzung.
Es gab weitere gewichtige Faktoren, die den volkswirtschaftlichen Wachstumsprozess der DDR mehr oder weniger schwer und fortdauernd belasteten:
Die aus der geographischen Teilung hervorgehende einseitige und nachteilige Rohstoff- und Brennstoffbasierung, die u. a. außerordentliche bzw. wachsende Erschließungs- und Nutzungsaufwände (Braunkohlenbergbau, Metallurgie, Energie) erforderte;
die seit 1945 erfolgte Abtrennung von den herkömmlichen Versorgungsbeziehungen mit Halbzeugen, Vorprodukten und Zulieferungen (Westdeutschland bzw. Schlesien);
die permanenten enormen Transportkosten für die gewaltigen Güterströme im Warenaustausch zwischen DDR und UdSSR über die riesigen Entfernungen und durch Polen, die u. a. zu einem hohen permanenten Leistungsausgleich gegenüber Polen führten;
das West-Embargo für Hochtechnologie, das die Vorteile der internationalen Zusammenarbeit nachhaltig einengte und eine externe Abdrosselung der Wettbewerbsfähigkeit der DDR aus politischen Ursachen (Kalter Krieg) bewirkte, jene gewollte Schwächung auf Exportmärkten also, die jetzt in Umkehrung von Ursache und Wirkung der SED-Herrschaft vorgeworfen wird;
der Ressourcentransfer der DDR in andere „befreundete“ Länder über den gelenkten Außenhandel, der politisch auferlegt war und zu einer permanenten Abschwächung der Importhöhe bzw. zu hohen „verlorenen“ Krediten an einige der Schuldner-Staaten führte;
die Verschuldungspolitik gegenüber westlichen Devisen-Kreditgebern etwa ab 1972, die infolge hoher Zinslasten rasch zur kreditären Refinanzierungsspirale führte und als indirekter Druck zur Absenkung der Devisen-Erlöse für DDR-Exporte zusätzlich beitrug, sich also letztlich als chronischer Verlust vom produzierten Volkseinkommen auswirkte.
Geologische Faktoren spielten eine immense Rolle: So z.B. war die erzwungene DDR-Braunkohlennutzung in ihrer extremen Einseitigkeit und umweltfeindlichen Technologie ein folgenschwerer Schwachpunkt der Ökonomie, die stark überhöhte Investitionen (für die Erschließung und den Abbau) sowie enorme Transportleistungen erforderte und die Umwelt gefährlich belastete. Der Uran- und Kupfererzbergbau wurde aus strategischen Gründen praktisch um jeden Preis betrieben.
In der Folge der Einbeziehung der DDR in den Warschauer Pakt musste aus politischen Gründen die Höhe der Militärausgaben angehoben werden: Die riesigen Waffen- und Munitionsberge der NVA, die nach der Vereinigung die Bundesregierung verschenkte, verkaufte oder verschrottete, waren zuvor von der DDR-Wirtschaft buchstäblich zu Lasten ihrer produktiven Investitionen angehäuft oder „abgedarbt“ worden. Bisher hat keine „DM-Eröffnungsbilanz“ den Wert dieser Waffen- und Munitionsberge je in Ansatz gebracht, der mit ca. 200 Mrd. DM 101 abzuschätzen war. Dies bedingte z. T. auch den übergroßen Rückstand in der Höhe der ökologischen Investitionen bzw. der nach 1990 anfallenden ökologischen Sanierungslasten der DDR.
Wenzel spricht daher von einer „Gratwanderung in einem fast magischen Dreieck der ökonomischen Entwicklung der DDR, der durch Kriegseinwirkungen und Demontagen um 1/3 reduzierten industriellen Substanz der DDR, der überdimensionierten Entnahmen für Reparationen aus der laufenden Produktion und der Sicherung der elementaren Lebensvoraussetzungen der Bevölkerung und deren notwendigen langsamen Verbesserung angesichts des Wirtschaftswunders in der BRD“. (Wenzel in: „Ansichten“, Bd. 6, 1996, S. 98)
Dieses „magische Dreieck“ belastete die ersten Nachkriegsjahre bis zur Mitte der 50er Jahre in dramatischer Weise. Hinzu kamen die teilungsbedingten Disproportionen in der Rohstoff- und Materialversorgung der traditionell hoch entwickelten Industrie der DDR, für die es bis zur Mitte der 50er Jahre keinen Ausgleich gab. „Das Hauptproblem für die SBZ/DDR lag aber zweifellos darin, dass die entstandenen Disproportionen zumindest bis hoch in die 50er Jahre hinein durch die Lieferunfähigkeit der UdSSR und der anderen sozialistischen Länder über einen Warenaustausch des Außenhandels nicht ausgleichbar waren.“ (Wenzel, in: „Ansichten“, 1996; 96) Der Bezug der benötigten Materialien aus der BRD jedoch blieb unzureichend und wurde im „Kalten Krieg“ schon 1952 praktisch bedeutungslos.
3.2 Grundsätzliche Unterschiede zur Marktwirtschaft
Hier muss daran erinnert werden, dass die DDR-Planwirtschaft sich niemals an rein marktwirtschaftlichen Kriterien messen lassen wollte, da sie typischen zentralistischen und bürokratischen Lenkungsformen verhaftet war und staatssozialistischen Wirtschaftszielen diente. Ihre Struktur war eng, fest und langfristig mit dem RGW-Stoffkreislauf verzahnt, daher nicht in den westlichen Weltmarkt arbeitsteilig integriert und folglich von nur vergleichsweise mäßiger Änderungsdynamik bzw. -flexibilität.
Aber dieser Zustand war nicht nur durch implizite Mängel des DDR-Planungssystems und durch die Regelungen im RGW bedingt. Andere Faktoren kamen hinzu, so z. B. die je Einwohner außerordentlichen Lasten der unproduktiven Konsumtion des DDR- Verteidigungshaushalts und des inneren Sicherheitssystems. Die Gesamtausgaben im Militär- und Sicherheitsbereich lagen 1988 offiziell bei 21,7 Mrd. M 102 und erreichten damit 8 % des „produzierten Volkseinkommens“.
Dies findet seine politische Ursache im Kalten Krieg und im auszehrenden Wettrüsten. Immerhin wurde durch die NATO das wirtschaftsstrategische Ziel verfolgt, die Ressourcen der RGW-Staaten in unproduktive Konsumtion des Militärwesens fehlzuleiten und den Lebensstandard der RGW-Staaten zu drücken, da sie sich pro Kopf (im Vergleich zur volkswirtschaftlichen Leistungsfähigkeit) relativ höher mit den Verteidigungsausgaben belasteten. Die Politik dominierte hier auch wesentlich die DDR-Ökonomie. Der Abzug von materiellen Ressourcen aus dem wirtschaftlichen Kreislauf für den Militärverbrauch wirkte sich hierbei relativ stärker aus: Die von Anfang an bestehende niedrigere Produktivität der DDR-Wirtschaft im Verhältnis zur westdeutschen Marktwirtschaft hatte – auch infolge der pro Kopf vergleichbar hohen Verteidigungslasten - schon in den 60er Jahren eine relative chronische Schwächung der volkswirtschaftlichen Effektivität zur Folge.
Es ist nicht zu leugnen, dass die DDR-Wirtschaft 1989 sich in einem angespannten, potenziell verschlechternden außenwirtschaftlichen Zustand befand, der auf die Netto-Investitionshöhe in der Binnenwirtschaft zeitweilig durchschlug und langjährig fortgeschleppte deutliche Rückstände (gegenüber Westdeutschland) an Produktivität, Effizienz und ökologischer Qualität verfestigte. Dies war einerseits durch die nach 1975 vertragsmäßige Erhöhung für Rohölpreise an das Weltmarktpreisniveau für die Lieferungen aus der SU extern verursacht. „So stiegen die Importpreise für Erdöl aus der UdSSR von 1974 bis 1986 um das 11fache, die Preise für Erdgas um das 7fache ... Nach Berechnungen der DDR-Institutionen verschlechterten sich die Austauschverhältnisse gegenüber der UdSSR von 1975 bis 1985 um circa 20 Mrd. VM.“ (Bundesbank, 1999; 27)
Andererseits wurde die Schwächung der volkswirtschaftlichen Effektivität durch den zuletzt rapiden Rückgang der West-Exporterlöse im Verhältnis zu den DDR-Binnenpreisen (bis auf 1: 4,4) verursacht. „Allein in den Jahren 1986 bis 1989 trat ein Valutaausfall gegenüber dem Plan in Höhe von 6,6 Mrd. VM ein“, ergänzt Wenzel die Lage. (Wenzel, 2000, S. 17)
Die DDR konnte sich beiden negativen äußeren Einwirkungen nicht entziehen, die sich kumulierten. Nicht zuletzt fiel daher zunehmend ins Gewicht, als sich die Exporterlösquote in Devisen verschlechterten. Dies drückte die realsozialistischen Exporterlöse unter eine tragbare Relation und erwiesen sich damit als ein Fiasko für die exportabhängige Schuldentilgung in Devisen.
Hinzu kam, dass auch der Warenaustausch mit dem RGW-Block insgesamt nicht mehr ausgleichbar verlief: zwischen 1979 und 1989 entstand hier ein Plus-Saldo von 6,3 Mrd. VM 103 Benötigte Importe konnte die DDR daher nicht ausgleichend hierzu erreichen, was den Druck auf den Handel mit Devisenländern erhöhte.
Der Handel mit Ländern konvertibler Währung verlief noch mit einem Überschuss der Einnahmen im Zeitraum 1981 bis 1986 in Höhe von 12,4 Mrd. VM. Durch den Verfall der Erdölpreise ab 1986 schlug der frühere Überschuss in ein Defizit von 7,7 Mrd. VM im Zeitraum von 1987 bis 1989 um – der „Todesstoß“ für die DDR-Wirtschaft im Westhandel. 104 Gleichzeitig forderte die UdSSR erstmals auch konvertible Währung für zusätzliche Erdöllieferungen. So geriet die DDR-Außenwirtschaft in eine Zwangsjacke.
Das im Inland verwendete Volkseinkommen fiel im Vergleich mit dem produzierten weiter zurück, die Verluste im West- und Ost-Export wurden untragbar hoch. Wie Heske berechnete, belief sich der Plus-Saldo der DDR im Außenhandel zwischen 1981 und 1989 auf insgesamt 49,9 Mrd. Euro oder 97,6 Mrd. DM zu Preisen von 1995, der allerdings neben den deutlichen Preissteigerungen z. T. auch die Devisen-Kreditverpflichtungen aus der Vorperiode abdecken musste. 105
Der Saldo der Zinszahlungen in West-Devisen summierte sich zwischen 1978 und 1988 auf insgesamt 30,3 Mrd. VM, 106 wobei DM-Sondereinnahmen im Zahlungsverkehr in diesem Zeitraum in Höhe von 18,2 Mrd. DM für die Bewältigung der Westverschuldung „von größter Bedeutung“ waren. 107
4. Ein Blick zur BRD vor 1990
Faktenwidrig wäre es, die BRD 1989 als das „Wunderland der Ökonomie“ zu glorifizieren, das keine ernsten wirtschaftlichen Schwachpunkte und Strukturprobleme in die Vereinigung einbrachte, wie bei Grosser eindrucksvoll nachgelesen werden kann, der ein instruktives Kapitel hierzu beisteuerte. (Grosser, 1998)
Die BRD war, wie bereits durch Daten belegt, vor der Vereinigung keineswegs ohne konjunkturell abnehmende Wachstumsraten in einem schwierigen Strukturwandel sowie nicht ohne bedeutende Vorgriffe auf künftige Steuer- bzw. künftige Staatseinnahmen in Form von hohen öffentlichen Schulden. Dazu kamen zunehmende chronische Arbeitslosigkeit und ebenfalls beachtliche laufende Umweltschäden.
Zur Erinnerung: Es stieg das Bruttoinlandsprodukt für das frühere Bundesgebiet in der Zeit von 1970 bis 1980 um durchschnittlich 2,9 % pro Jahr, aber im Zeitraum 1980 bis 1991 nur noch um durchschnittlich 2,6 % pro Jahr. 108 Die Arbeitslosenrate schwankte seit Mitte der 80er Jahre in der alten BRD um 7 %. Die Kosten durch Umweltschäden und der Aufwand für ihre Vermeidung und Beseitigung von Altlasten erreichten zur Mitte der 80er Jahre eine bedeutende Höhe. 109 Hierfür wurden im Zeitraum 1980 bis 1989 1,6 % des produzierten Volkseinkommens verbraucht. 110
Uwe Müller erinnert daran: „Ohne die Zuwanderung (aus den Gebieten östlich der Zonengrenze) hätte die Industrieproduktion im Westen 1975 um etwa 18 Prozent niedriger gelegen – wobei in diesem Wert nicht einmal die zwischen 1945 bis 1950 angekommenen Flüchtlinge und Aussiedler berücksichtigt sind.“ 111
Während die DDR zum Teil ihren relativ „überhöhten” konsumtiven zivilen und militärischen Verbrauch durch zu niedrige, zuletzt sinkende produktive Netto-Investitionen, Vernachlässigung von Ersatzinvestitionen in manchen Wirtschaftszweigen („Raubbau an der Substanz“) und flächenhaft katastrophale Verseuchung der Umwelt „überspielte”, stellt sich die BRD von vornherein als ein mit wachsenden staatlichen Schulden finanziertes Gesellschaftssystem dar, das einen disproportionalen Investitionsprozess und eine akute Umweltkrise vermeiden konnte und somit „blendende Schaufenster und Fassaden” im Kontrast zur DDR errichtete.
1989 beliefen sich die BRD-Staatsschulden auf 923,5 Mrd. DM und waren damit – hier folgt ein unüblicher Vergleich, der eine neue Aussage erlaubt - mehr als doppelt so hoch wie die gesamten Netto-Auslandsguthaben der BRD-Wirtschaft: Der Saldo von Staatsschulden (923,5 Mrd. DM) und ausländischen Guthaben der BRD-Wirtschaft (-426,8 Mrd. DM) betrug bei konvertibler Währung insgesamt -496,7 Mrd. DM. 112 Daran kann man ermessen, wie sehr auch der alte BRD-Staat - aus der Sicht neoliberaler Kritiker - zuvor „auf Kosten künftiger Generationen“ gelebt hat: Obiger Negativ-Saldo beträgt immerhin 22,2 % des Bruttoinlandprodukts zu Marktpreisen für 1989.
Ausländische Anleger hielten 1990 DM-Forderungen gegenüber den öffentlichen Institutionen in der BRD in Höhe von 220 Mrd. DM, 113 die als rein fiskalische Brutto-Auslandschulden 114 zu werten sind. Saldiert mit den Guthaben ausländischer Notenbanken und internationaler Institutionen bei der Bundesbank, belief sich die so errechnete Netto-Auslandsverschuldung auf 168,5 Mrd. DM, d.h. pro Kopf auf 2700,- DM. Diese fiskalische Verschuldung gegenüber dem Ausland betrug 164 % im Vergleich zur analogen Pro-Kopf-Devisenverschuldung der DDR.
Bei einer derartigen inneren und äußeren Verschuldung gründete der Erfolg des Marktwirtschaftsystems der BRD erheblich auf „Vorgriffsverzehr” der Erträge von den nachfolgenden Zeiträumen auch der Folgegeneration. Trotz der westdeutschen öffentlichen Verschuldung war im Zeitraum 1980 bis 1989 der BIP-Zuwachs der BRD mit 119 % niedriger als in der „maroden” DDR mit 127 % (Preisbasis Euro1995). 115
Dieter Grosser bescheinigte der Bundesrepublik 1989 Rückstände in der Arbeits- und Kapitalproduktivität gegenüber den USA, Innovationsschwächen in Spitzentechnologien und globale Wettbewerbsnachteile gegenüber den Hauptkonkurrenten trotz der hohen Überschüsse im Außenhandel. „Die Lage der westdeutschen Wirtschaft am Vorabend der Wiedervereinigung 1990 war somit ambivalent. Einerseits ging es ihr glänzend. Andererseits war zu befürchten, dass der Glanz schnell wieder verblassen und die nächste Rezession die Innovations- und Anpassungsschwächen erneut bloßlegen würde.“ 116
Der ambivalente Blick auf die BRD vor der Vereinigung zeigt, dass viele Vorwürfe wegen mangelnder Reformfähigkeit nicht nur die Spät-Phase der DDR kennzeichnen, sondern auch zum Repertoire einer „modernen Marktwirtschaft“ gehörten, deren Schwächen und Fehler nach der Vereinigung noch deutlicher sichtbar wurden.
5. Sichtweisen und Fazit zur Endlage der DDR-Wirtschaft
Klaus Steinitz fasste seine Analyse zum Ende der DDR in die Worte, „dass die These von der durchweg maroden DDR-Wirtschaft die Realitäten äußerst verzerrt widerspiegelt.“ (Steinitz, 2007, 40) Dem ist im Zuge der vorstehenden Darstellung zur statistisch belegbaren Sachlage und ihrer komplexen Einbindung in das historische Umfeld voll zuzustimmen. Damit sollen die entstandenen inneren Mängel und Schwierigkeiten der DDR-Ökonomie nicht bestritten werden. Es geht vielmehr um die historische Richtigstellung gegenüber den einseitigen Sichtweisen, Legenden und delegitimierenden Anstrengungen der meinungsbildenden Interpreten des Weges zur Vereinigung. Solchen Interpretationen hatte auch Edelbert Richter vor einigen Jahren entgegengehalten: „Denn die DDR war weder 'bankrott', noch war das Produktivkapital, das sie hinterließ, 'alles Schrott'.“ (Edelbert Richter, 2001) 117
Siegfried Wenzel verweist auf die Gewichtung der historischen Bedingungen, unter denen die Ostdeutschen nach 1945 ihre wirtschaftlichen Leistungen erbracht hatten, gleich „welche Mängel dem realsozialistischen Wirtschafts- und Gesellschaftssystem angelastet werden können.“ 118 Zum letzteren Aspekt sei ergänzend z. B. auch auf meine knappe Studie zur „Mangelwirtschaft der DDR“ verwiesen. 119
Rückblickend auf die Nachkriegsentwicklung in Ostdeutschland wird erkennbar, dass der ökonomische Kahlschlag durch die enorm hohen Reparationen sowie die hohen spürbaren Verluste aus der offenen Grenze bis Mitte 1961, die während der ersten 15 Jahre nach dem Kriegsende zu tragen waren, eine lange wirkende Basis für den „nachhinkenden“ bzw. chronischen Produktivitäts- und Altersrückstand des DDR-Kapitalstocks (im Vergleich zu Westdeutschland) bildeten. 120
Eine kurze historische Erklärung sind folgende Ausführungen, die für die ersten 15 Nachkriegsjahre stehen: „Die objektiven Hemmnisse und Erschwernisse, die sich dem neuen, eigenständigen Staatswesen im Osten Deutschlands entgegenstellten, waren enorm, machten aus seiner Behauptung und Entwicklung 'eigentlich ein geradezu verzweifeltes Unterfangen'... Die vom Westen ausgehende Spaltung Deutschlands und der Kalte Krieg vergrößerten die Schwierigkeiten nicht nur, sie multiplizierten sie. Die DDR unterlag den gezielten Schlägen der noch in den vierziger Jahren anlaufenden Embargomaßnahmen und des bei offener Grenze ... gegen sie geführten Währungs- und Wirtschaftskrieges.“ 121
Am Ende fehlte die Zeit von 1945 bis 1961 für eine branchenmäßig und wirtschaftszweiglich ausgewogene, d. h. „normale“ Reproduktion des Anlagekapitals bei rasch wachsender Arbeitsproduktivität, jene 15 Jahre mit ihren relativ zu hohen substanziellen Verlusten durch Reparationen und einer Auszehrung durch die offene Westgrenze. Infolge einiger spezifischer Faktoren der Folgezeit sowie auch der Zwänge des RGW und der enormen Lasten des Kalten Krieges zwischen den Systemen konnte der relative große Anfangsrückstand in der Produktivität aus der Periode vor 1961 später mittels der in der DDR betriebenen Modernisierung von Industrieanlagen sowie im Wohnungsbau objektiv nicht mehr hinreichend aufgeholt oder sogar ausgeglichen werden.
Die Arbeitsproduktivität im Verarbeitenden Gewerbe der DDR erreichte 1989 pro Erwerbstätigen nur 34 % des westdeutschen Niveaus; in der Volkswirtschaft insgesamt lag die BIP-Leistung je Erwerbstätigen bei 45 %. 122 (Dem entsprach auch ein analog höherer Energieverbrauch für die Produktionsleistungen.) Damit war letztlich die politische Absicht der DDR-Führung unmöglich geworden, im historischen Wettbewerb mit dem westdeutschen kapitalistischen Marktwirtschaftssystem den Realsozialismus in Deutschland ökonomisch zum Siege zu führen.
Der relative DDR-Rückstand in der gesellschaftlichen Produktivität verminderte sich nach 1985 (gegenüber Westdeutschland) zuletzt nicht weiter, was auch auf exogene und endogene Hemmungen der Wirtschaftseffizienz sowie Fehlleistungen hinweist. Dennoch kann von echter wirtschaftlicher Stagnation der DDR auch im letzten Jahrzehnt überhaupt keine Rede sein. Die BIP-Wachstums- und Investitionsraten in der alten BRD waren der DDR im letzten Zehnjahres-Durchschnitt nicht überlegen, sondern niedriger. (Siehe Punkt 1)
Die Devisen-Schuldenquote der DDR (als Anteil der Nettoverschuldung an den Exporterlösen in konvertibler Währung) war 1989 jedenfalls nicht halb so hoch wie die Bulgariens, etwas über ein Drittel der von Ungarn und weniger als ein Fünftel der von Polen.123 Eine fatalistische Ausweglosigkeit in der Westverschuldung gab es insofern auch 1989 für die DDR nicht, denn sie hatte neben größeren verfügbaren Liquiditätsreserven auch hohe Forderungen gegenüber Ländern mit konvertiblen Währungen. Letztere beliefen sich zu Ende 1989 auf 29 Mrd. VM und deckten bilanzseitig 59,3 % der Verschuldung ab, wie die Bundesbank feststellte. (Bundesbank, 1999, 58) Leider konnten diese Forderungen überwiegend von der DDR nicht oder nicht rasch mobilisiert werden, um die eigenen Devisen-Verpflichtungen stärker zu reduzieren – die DDR-Schuldner in konvertibler Währung waren zumeist arme oder zahlungsunfähige Entwicklungsländer.
Rückblickend schreibt Armin Volze zur Devisenverschuldung der DDR: Es dürfte klar sein, „dass nicht die Devisenverschuldung und ihre Folgen die Hauptursache für den desolaten Zustand der DDR-Wirtschaft am Ende der 80er Jahre waren.“ 124
Die DDR-Wirtschaft war zwar 1989 in anwachsenden und z. T. chronischen inneren Disproportionalitäten und Schwierigkeiten, stand aber keineswegs vor ihrem bevorstehenden endogenen ökonomischen Zusammenbruch. 125 Es zeigten sich anhaltende Schwächen der Ökonomie, wie z. B. gesundheitsbelastende und flächendeckende Umweltverschmutzungen in Ballungszentren, stark vernachlässigte Bereiche der Infrastruktur, zu schwache Preisdurchsetzungs- und Innovationskraft der Exportwirtschaft, evidente chronische Zweigstrukturmängel bei z. T. fehlerhafte Strukturpolitik, zuletzt zurückgehende Netto-Investitionsraten in mehreren der produzierenden Branchen und latente sowie zeitweilig akute Probleme in der Tilgung für Devisenschulden im West-Außenhandel. Die DDR-Führung lavierte zuletzt zwischen den enormen Zwängen aus dem Westexport und ebenso den Importrestriktionen und Preisanhebungen aus der UdSSR – das im Inland noch verfügbare jährliche Volkseinkommen ging infolge der Außenbeziehungen auffallend in Milliarden-Größenordnungen (wie schon gezeigt) zurück, was zum Absinken der Netto-Akkumulationsrate von 1980 bis 1988 um 3,5 %-Punkte und der Nettoinvestitionsrate im „produzierenden Bereich“ um 1,9 %-Punkte führte. 126
Es wurde einerseits beim Kapitalstock mancher Wirtschaftszweige zu hohe Überalterung oder Unterreproduktion toleriert bzw. notgedrungen hingenommen, zu Gunsten von andererseits auch eindrucksvollen Aufbau- und Entwicklungsleistungen im RGW-Rahmen bevorzugt entwickelter Wirtschaftszweige in über 40 Jahren DDR-Zeit. Generell wurde langfristig der elementare Umweltschutz ein Opfer der politisch geprägten Wirtschaftsstrategie und ihrer widersprüchlichen Zwänge in der Investitionspolitik.
Fasst man allein die vorstehend belegten negativen externen Ein- und Rückwirkungen auf die DDR-Wirtschaft aus den Außenbeziehungen knapp zusammen, so ist vor allem festzuhalten:
der langjährige Rückstand der Investitionsrate in der Zeit vor 1961 im Zuge der Demontagen, Reparationen und der offenen Westgrenze, durch materielle und humanpotenzielle Verluste in dramatischen Dimensionen, die später nicht mehr aufholbar waren;
die Disproportionen in der industriellen Struktur nach der Teilung sowie der hierfür erforderliche enorme investive Aufwand für deren angestrebten Ausgleich;
die steigenden Belastungen durch die gemeinsamen Verteidigungsmaßnahmen im Rahmen des Warschauer Pakts und des Aufbaus einer modernen Armee, die je Kopf höher waren als in der BRD;
die harten Einschränkungen der NATO-Embargopolitik für den Import von High-Tech-Erzeugnissen und strategischen Gütern wirkten zunehmend als Hemmfaktoren;
die anwachsenden Zinszahlungen für Devisenkredite sowie auch die letztlich belastend zunehmenden DDR-Forderungen in Devisen gegen kaum rückzahlungsfähige „befreundete“ Entwicklungsländer;
die Spät- und die Direktfolgen der Erdölpreis- und Erdöllieferpolitik der Sowjetunion in den 80er Jahren mit ihren drastischen Wirkungen auf den Saldo der DDR-Exporte;
die zu geringen ausgleichsfähigen Importe aus mehreren RGW-Länder mit ihren Folgen für die andauernden Handelsbilanz-Überschüsse dorthin;
der unabwendbare Preisverfall für Westexporte je Ost-Mark DDR-Aufwand im Zuge des wettbewerblichen Zwanges für die DDR zum Abbau ihrer ständig belastenden Kreditverpflichtungen schon aus den 70er Jahren, mit der Folge des wiederholten Rückgangs der Inländischen Verwendung von Volkseinkommen, besonders in der Spätphase der DDR.
Die Fragestellung nach der Dominanz der äußeren oder inneren Entwicklungshemmnisse für die DDR, die ihren ökonomischen Rückstand gegenüber der BRD bis zum Jahre 1989 entscheidend bedingten, ist nach wie vor Gegenstand der kritischen Rückschau auch unter den Linken. Dabei spielt offenbar auch eine Rolle, dass manche Autoren subjektiv jene Stabilität, Krisenfestigkeit und hohe marktwirtschaftliche Flexibilität in einer homogenen Vision eines wirtschaftlichen Mechanismus vereinigt sehen möchten – die es in der vormaligen Praxis nicht gab. Der Realsozialismus konnte sich nicht erfolgreich von den außenwirtschaftlichen Einwirkungen und Hemmnissen lösen, da er unter Wettbewerbszwang zum Kapitalismus und unter den Bedingungen des Kalten Krieges reagieren musste. „ ...dass wirtschaftliche Aktivitätsschwankungen in Zentralverwaltungswirtschaften ... viel schwerer geglättet werden können“, hatten Gutmann/Buck als systemtypisch angemerkt. 127 Allerdings erleben wir gegenwärtig, dass die Aktivitätsschwankungen in der Marktwirtschaft - unter dem neoliberalen Mainstream der Wirtschaftspolitik - ebenso systemtypisch fortbestehen.
Steinitz hat im Anschluss an seine Analyse der DDR-Endzeit hervorgehoben: „dass sich die ökonomischen Probleme und Widersprüche im Verlaufe der achtziger Jahre äußerst zugespitzt haben, kann nicht primär aus den Startbedingungen und auch nicht aus den äußeren Bedingungen erklärt werden.“ (Steinitz, 2004; 91) Diese Auffassung wird von einer Reihe von kritischen Autoren gestützt, sollte jedoch im Rahmen der Existenzbedingungen der DDR objektiviert und analytisch durchleuchtet werden. Sicherlich dürfen die inneren Hemmfaktoren des Systems DDR nicht unterbewertet werden, aber ihre Genesis entsprang auch immer äußeren Zwangslagen. Wenzel räumt ein: „Äußere und innere Faktoren haben sich gegenseitig beeinflusst und überlagert.“ (Wenzel, 2005; 23)
Wenzel hebt auf die gravierenden Wirkungen des außerökonomischen politischen Umfeldes für die Nachkriegs- und DDR-Entwicklung ab. Gemessen an den Belastungen des im Inland verwendeten Volkseinkommen der DDR infolge der negativen Preisrelationen im Außenhandel West wie Ost, infolge der hohen Zinsverpflichtungen im Westhandel und infolge der krassen Rohstoffverknappungen für die DDR, die mit ihren investitionsseitigen Auswirkungen die Größenordnung von vielen Milliarden Mark provozierten, gewann der äußere Faktorenkreis eine faktische Dominanz unter den ökonomischen Hemmnissen der DDR-Wirtschaft. Die „Überlagerung“ mit inneren, systemischen Hemmnissen ist damit auch anerkannt, bleibt aber vergleichsweise mit den äußeren potenziell zurück. Selbst die inneren Hemmfaktoren hatten ebenfalls eine gleichsam äußere Quelle im importierten Planungs- und Lenkungssystem der Zentralverwaltungswirtschaft, worauf Wenzel im dialektischen Sinne hinweist. Letztlich ergibt sich das Bild einer Verquickung der inneren und äußeren Hemmfaktoren, die aber unter einer historisch unzureichenden Anpassungsfähigkeit und Eigendynamik litt und damit relativ „erstarrte“ und versagte.
Steiner betont vordergründig: „Die außenwirtschaftlichen Entwicklungen verschärften zwar die Probleme, waren aber nicht deren Ursache.“ 128 Die dramatische Systemkonkurrenz bei langjähriger technologischer Embargopolitik des Westens, gepaart mit militärischem Druck des Kalten Krieges zum übermäßigen Ressourcenverzehr im Rüstungswettlauf, wird von Steiner ausgeklammert.
Zu den außenwirtschaftlichen Entwicklungen zählte sicherlich auch die plötzliche großzügige Kreditpolitik westlicher Banken (nach der diplomatischen Anerkennung der DDR) zu Anfang der 70er Jahre. Sie hatte infolge der üblichen Marktzinsen rasch zu einer Überschuldung geführt. Tilgungen (plus Zinsen) konnten bald nur gegen neue Kredite bestritten werden, was eine Spirale der Devisen-Zins-Kredit-Strangulation auslöste. Dies traf dann auch auf andere RGW-Länder zu. Die politischen Führer der RGW- Staaten waren in eine ökonomische Zwangslage („Refinanzierungs-Kreditfalle“) geraten, die nur zum Teil mit widersprüchlich-negativen Belastungen ihrer Binnenwirtschaften überwunden werden konnte.
Wenzel stellt überzeugend fest: „Die Zuspitzung der ökonomischen Situation der DDR im Zeitraum 1986 bis 1989 wurde hauptsächlich durch den dramatischen Bruch in der Preisentwicklung für Erdöl 1985/1986 ausgelöst.“ (Wenzel, 2000; 17) Steiner räumt ein: „Darüber hinaus veränderten sich aber für die DDR in den letzten zwei Jahrzehnten ihrer Existenz die außenwirtschaftlichen Rahmenbedingungen radikal. Eines der Grundprobleme blieben die fehlenden Fortschritte bei der Arbeitsteilung innerhalb des RGW und der Integration der Volkswirtschaften der Mitgliedsländer.“ (Steiner, 225) Die DDR geriet zwischen die Zwänge aus beiden Richtungen – West- und Ostaußenhandel - und gewann auch nicht mehr die systemische Flexibilität und innere Anpassungsfähigkeit, mit den gegebenen Einschränkungen und Belastungen aus den eigenen Fähigkeiten heraus rechtzeitig zügig fertig zu werden. Hierin teilte sie das Schicksal anderer RGW-Länder im Gefolge des Kalten Krieges.
In der „Deutschen Wirtschaftsgeschichte“ (2000) wird die DDR wie folgt bewertet: „Innerhalb des RGW war die DDR der am höchsten entwickelte Staat mit dem höchsten Lebensstandard. Sie konnte allen Personen eine wirtschaftlich gesicherte Grundversorgung und Arbeitsplätze bieten. Im Gegensatz zur Bundesrepublik war sie in der Lage, die soziale Sicherheit aller Einwohner zu garantieren, Probleme mit Obdachlosen und Drogenabhängigen waren nahezu unbekannt.“ (North, Michael (Hrsg.), „Deutsche Wirtschaftsgeschichte“, Beck 2000; 409)
Die innere Auflösung der DDR wurde durch ihre politische Destabilisierung eingeleitet, die mit der „unvoraussehbaren” Maueröffnung zum machtpolitischen Ende der SED-Herrschaft führte, das allerdings durch den zu großen volkswirtschaftlichen Produktivitätsrückstand gegenüber Westdeutschland eine immense Beschleunigung erfuhr. Jedenfalls wirkte die qualitativ gegenüber der alten BRD unterlegene und zuvor auch z. T. fehlgesteuerte Ökonomie (siehe Umweltmisere) auf die politische Krise der DDR-Führung 1989 stark verschärfend zurück. Dieter Grosser bemerkte sicherlich zutreffend: „Ohne die Konkurrenz des westlichen Modells wären die sozialistischen Länder 1989/1990 nicht zusammengebrochen ... Hätte sich das gesamte sozialistische Lager der ökonomischen Systemkonkurrenz entziehen können, wäre Unzufriedenheit mit der wirtschaftlichen Leistung der sozialistischen Systeme kaum zu einem gewichtigen Faktor der Destabilisierung geworden.“ (Grosser, 66) Aber real gab es keine sozialistische Inselwelt, sondern einen erbitterten wirtschaftlichen und militärischen Systemwettbewerb bei bedeutend unterlegenen ökonomischen Potenzialen der sozialistischen Seite. Die DDR-Wirtschaft war durch die Nachkriegs-Reparationen und die Zeit der offenen Westgrenze nachhaltig historisch geschwächt und konnte die daraus resultierenden Potenzialverluste später – unter den erheblichen Einwirkungen negativer Faktoren des Kalten Krieges der Außenwirtschaft – nicht mehr ausgleichen. Hinzu kamen, zunehmend in der Schlussphase, hemmende systeminterne Faktoren der Planwirtschaft. (Steinitz, 2004)
Entscheidend für das rasche politische Ende der DDR als Staat war jedoch die diplomatisch verdeckte Deutschlandpolitik Gorbatschows zu Ende der 80er Jahre, die zur politischen Isolierung/Destabilisierung der DDR wesentlich beitrug, in Verbindung mit der abrupten Desintegration des RGW-Handels 1990.
Eine schroffe Korrektur der Wirtschafts- und Einkommenspolitik der DDR zeichnete sich zu Ende 1989 jedoch zu Lasten des Massenverbrauchs als letztlich unvermeidlich ab. Die DDR hatte viel zu lange über ihre besonders von der Außenwirtschaft stark negativ beeinflussten Leistungsverhältnisse gelebt und litt zunehmend unter der permanenten westlichen Kreditzinslast in Devisen – wie alle RGW-Staaten. Nicht zuletzt zeigte sich die DDR (als integrierter Teil des Warschauer Militärpaktes) als politischer Verlierer im Kalten Krieg gegen die NATO.
Die Bedingungen für einen zunehmenden Rückschlag der DDR-Wirtschaft reiften erst nach der Maueröffnung Ende 1989 rasch heran, in der sich die komplexe Systemkrise der SED-Herrschaft entladen hatte. Ausdruck und Schubkraft der Systemkrise der DDR-Gesellschaft 1990 wurde die vollzogene Währungsunion. Allein im Juli 1990 (mit Beginn der Währungsunion) sank die Industrieproduktion um 30 %-Punkte (!) ab und landete bei 56,3 % im Vergleich zum Dezember 1989, um dann noch weiter abzusinken.
Man muss jedoch den bekannten Tatsachen der verfehlten Transformationsökonomie Ost sachlich gerecht werden. 129 Dazu gehören auch schwerwiegende wirtschaftspolitischen Fehler seitens der Bundesregierung anfangs der administrierten Vereinigungsökonomie, die oft noch wortreich bagatellisiert oder als unvermeidlich hingestellt werden. Doch Tatsachen bleiben ein hartnäckig Ding: Der Aufwertungsschock der Währungsumstellung 1990, in Verbindung mit der Okkupation des Binnenmarktes durch westdeutsche Konzerne und Kaufhausketten, das Aushöhlen und dann auch Wegbrechen des östlichen Außenmarktes ab 1991 in Verbindung mit dem Lieferzwang gegen konvertible Währung, bedeutete den Todesstoß für viele exportierende DDR-Kombinate und Betriebe.
Währungsschock und Aufgabe der Wechselkurshoheit im Zuge der Währungsunion führten zum plötzlichen radikalen Verlust der Wettbewerbsfähigkeit der DDR-Industrie. Generelle Praxis und Fehler der Treuhandanstalt haben diesen Effekt dann verstärkt bzw. bis zur radikalen Deindustrialisierung vertieft und danach ein angleichendes Aufholen strukturpolitisch nicht ausreichend abgesichert.
Der volkswirtschaftliche Aufholprozess Ost/West der nach der Vereinigung entstandenen ostdeutschen Unterentwicklungsregion ist seit 1995/1996 abgebrochen und inzwischen nicht wieder insgesamt bzw. hinreichend vorangekommen. Es scheint, dass damit das Urteil der Geschichte über die Qualität der Vereinigungspolitik bereits gefällt wurde. „Seit der Wiedervereinigung fiel das durchschnittliche Wachstum der deutschen Wirtschaft deutlich niedriger aus und lag im Schnitt der letzten zehn Jahre nur noch bei 1,3 % pro Jahr“, teilte das Statistische Bundesamt am 5.9.2006 mit. Dies hat, nach dem anfänglichen Vereinigungsboom der westdeutschen Wirtschaft, weniger mit der angeblich „maroden DDR“ als vielmehr mit den Nachwirkungen der Fehler der Vereinigungsökonomie zu tun.
Kurze Literaturauswahl:
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1Wolle, Stefan, „Die heile Welt der Diktatur“, Ch. Links-Verlag, Berlin, 2. Auflage 1998, S. 190
2Schröder, Klaus, „Der Preis der Einheit“, Hanser Verlag, 2000, S. 58.
3Siehe auch: „Wirtschaft auf einen Blick“, 1988, Bank-Verlag Köln, Seite 116 (Schaubild). Die Sachlage hierzu wird
auch von Jörg Roesler kommentiert in: Thierse u.a. (Hrsg.), „Zehn Jahre Deutsche Einheit“, 2000, S. 52/53
4Wenzel, Siegfried, St. Katharinen 1998, S. 176
5Heske hatte die Umrechnung der statistischen DDR-Primärunterlagen parallel zu den Ergebnissen
für Westdeutschland im Zeitraum 1970 bis 1989 auf Euro-Basis 1995 publiziert.
6Heske, Gerhard, Köln, S. 53
7Heske, Gerhard, S. 52
8Stat. Bundesamt, Mitteilung vom 5.9.2006
9Heske, Gerhard, S. 52
10Heske, Gerhard, S. 58
11„Am Ende des realen Sozialismus“, Opladen, Bd. 2, S. 16
12Heske, Gerhard, S. 92, 93
13Heske, Gerhard, S. 54/55
14Heske, Gerhard, S. 57
15„Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte“ , Akademie Verlag, Berlin, 1995/2, S. 67
16Kusch u. a. (Hrsg.) „Schlußbilanz – DDR“, Dunker & Humblot, Berlin 1991, S. 24
17Beachte den Unterschied zu „Nicht produzierende Bereiche“.
18„Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte“, 1995/2, S. 67
19Heske, Gerhard, S. 185, Tabelle; Umrechnung auf Basis 1985
20„Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte“ 1997/2, S. 66
21BMWI, „Wirtschaft in Zahlen ´95“, S. 47
22„Jahrbuch Wirtschaftsgeschichte“, 1997/2, S. 64
23Heske, Gerhard, S. 58/59 .
24Ferner widerlegen die Daten die Aussage, dass sich das physische Volumen der Investitionen zwischen 1970
und 1989 nicht mehr deutlich entwickelt hätte.
25Heske, Gerhard, S. 245
26Vergl. hierzu: Sinn/Sinn, „Kaltstart“, dtv Tübingen, 3. Auflage 1993, S. 270, 277
27Nach statistischen Angaben betrug das westdeutsche Volkseinkommen 1989 1.892 Mrd. DM, die
Bruttoinvestitionen betrugen 464,5 Mrd. DM und die Abschreibungen 279,5 Mrd. DM. Daraus ergeben sich
Nettoinvestitionen von 185,0 Mrd. DM oder eine Netto-Investitionsquote (am VE) von 9,8 %.(Siehe: BMWI,
„Wirtschaft in Zahlen ´95“, S. 25, 41, 46)
28Niedrigere Abschreibungssätze in der DDR (im Vergleich zur BRD) führten statistisch zunächst auch zu
einem niedrigeren BIP, blieben aber ohne Einfluss auf das Volumen des Volkseinkommens.
29„Am Ende des realen Sozialismus“, Bd. 2, S. 12, Tabelle
30Kusch u. a., „Schlussbilanz“ S. 19, berechnet nach Tabelle 1
31„Am Ende des realen Sozialismus“, Bd. 2, S. 11, Buchreihe
32IWH (Rüdiger Pohl), Analytika, Berlin 1995, S. 42
33„Am Ende des realen Sozialismus“, Bd. 2, S. 10
34„Jahrbuch Wirtschaftsgeschichte“, 1995/2, S. 68
35„Am Ende des realen Sozialismus“, Bd. 2, S. 14
36Kusch u. a., „Schlußilanz“ , S. 55
37„Am Ende des realen Sozialismus“, Bd. 2, S. 224
38„Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte“ 1995/2, S. 67
39Kusch u. a. „Schlußbilanz“, S. 56 Grafiken
40Kusch u. a. „Schlußbilanz“, S. 60
41Sinn/Sinn, „Kaltstart“, 3. Auflage 1993, dtv, S. 276
42„Jahrbuch Wirtschaftsgeschichte“, 1995/2, S. 68
43„Am Ende des realen Sozialismus“, Bd. 2, S. 78
44BT-Drucksache 13/2280 v. 8.9.1995, S. 90
45Blum, Ulrich, „Wirtschaft im Wandel“, IWH-Halle, 4/2007, S. 113
46„Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte“, Akademie-Verlag, Heft 1995/2, S. 52
47Man vergleiche die Ausführungen von Wagner, der sich verbal stark bemüht glaubhaft zu machen, dass das Zurückbleiben der DDR sich von Anfang bis Ende über deren ganze Existenzzeit erstreckte. (Schultz/Wagner, S. 131) Er ignoriert dabei u. a. die Ergebnisse von Heske (2005)
48North, Michael, (Hrsg.) „Deutsche Wirtschaftsgeschichte“, Beck 2000, S. 409/410
49„Am Ende des realen Sozialismus“, Bd. 2, S. 139
Die erste Erdölkrise (1971) hatte erhebliche langfristige Wirkungen auf die Preisstellung der sowjetischen Öllieferungen an die DDR. Zunächst erhielt die DDR noch Rohöl zu niedrigeren Preisen als auf dem Weltmarkt üblich wurden. In den späteren Folgejahren ab 1975 wurden die im RGW abgestimmten Exportgegenleistungen in die Sowjetunion ausgleichend erhöht.
50Mit den Investitionen für die Umstellung der Energiewirtschaft auf vermehrte kompensierende Nutzung von Braunkohle waren nicht nur frühere Einspareffekte verloren, sondern es mussten Investitionen ohne jeden volkswirtschaftlichen Zusatzeffekt getätigt werden, die zudem die ökologische Belastung der DDR rapide erhöhten.
51„Das Wachstum des Wertvolumens aufgrund der Preiserhöhungen musste die DDR mit technisch entwickelten Waren des Maschinenbaus, der Elektrotechnik/Elektronik, der Leichtindustrie und der glas- und keramischen Industrie bezahlen“, vermerkt Siegried Wenzel. (Wenzel, 2000, S. 22)
52„Jahrbuch Wirtschaftsgeschichte“ 1995/2, S. 35
53Roesler, Jörg, „Momente deutsch-deutscher Wirtschafts- und Sozialgeschichte 1945 bis 1990", Leipziger Universitätsverlag 2006, S. 189
54Kusch u. a. (Hrsg.), „Schlussbilanz“, S. 70; „Am Ende des realen Sozialismus“, Bd. 2, S. 224
55Roesler, Jörg, „Momente deutsch-deutscher Wirtschafts- und Sozialgeschichte 1945 bis 1990“, Leipziger Universitätsverlag 2006,S. 189/190
56Dieser Aspekt wurde m. E. in dem Buch von Bollinger (Hrsg.), 2004, nicht ausreichend berücksichtigt.
57Siehe Fußnote 67, S. 225
58„Am Ende des realen Sozialismus“, Bd.4, S. 209
59„Am Ende des realen Sozialismus“, Bd. 4, S. 430 ff.
60Kusch.u.a.(Hrsg.), „Schlußbilanz -DDR“, S. 62
61Bundesbank, Monatsbericht 7/1990, S. 16 und Anhang 4, S. 25 ff.
62Deutsche Bundesbank, „Die Zahlungsbilanz der ehemaligen DDR 1975 bis 1989“, 1999, S. 60
63„Am Ende des realen Sozialismus“, Bd. 2, S. 61
64„Am Ende des realen Sozialismus“, Bd. 2, S. 60
65Deutsche Bundesbank, „Die Zahlungsbilanz der ehemaligen DDR 1975 bis 1989“, 1999, S. 45
66Wolle, Stefan „Die heile Welt der Diktatur“, 1998, 2. Auflage , S. 202
67Vergl. hierzu in: Bollinger, Stefan, „Das letzte Jahr der DDR“, S. 97, Fußnote 54
68Nach Sinn/Sinn, „Kaltstart“, 3. Auflage 1993, S. 270
69BMGS„Stat. Taschenbuch, Pkt. 1.27
70Buchreihe „Am Ende ...”, Bd. 2, S. 60
71Zeitschrift„horizont INTERNATIONAL” 8/1990, S. 53
72Kusch.u.a. (Hrsg.) „Schlußbilanz – DDR“, S. 19
73Heske, Gerhard, S. 230
74„Am Ende des realen Sozialismus“, Bd. 4, S. 183
75Herta König, Alexander Schalck „Standpunkt zur voraussichtlichen Entwicklung der Zahlungsbilanz NSW
1988 bis 1990 und der NSW-Verschuldung“, vom 16.10.1987, Papier für Günter Mittag (Kopie des Manuskripts)
76Deutsche Bank, „Die Zahlungsbilanz der ehemaligen DDR 1975 bis 1989“, August 1999, S. 58
77„Die Zeit” Nr. 46/1991, S. 11
78„Ansichten zur Geschichte der DDR“, Bd. 6, S. 392
79So z. B.: Deutsche Bundesbank, „Die Zahlungsbilanz der DDR von 1975 bis 1989“, August 1999
80Müller, Uwe, „Supergau Deutsche Einheit“, rowohlt Berlin, 3. Auflage 2006, S. 67
81Volze, Armin, in: „Am Ende des realen Sozialismus“, Bd. 4, Buchreihe, S. 151
82Steiner, André, "Von Plan zu Plan", DVA München, S. 225
83Monatsbericht der Deutschen Bundesbank 7/1990, S. 16, zitiert nach Tesch, S. 33
84„Am Ende des realen Sozialismus“, Bd. 2, S. 62, Fußnote 9
85Knyschewskij, P. N., „Moskaus Beute“, Olzog Verlag München 1995, S. 40/41
86Karlsch/Laufer, „Sowjetische Demontagen in Deutschland“, 2002, S. 25, Reihe „Zeitgeschichtliche Forschungen“, Bd. 17, Duncker & Humblot
87Wenzel, Siegfried, „Plan und Wirklichkeit“, 1998, S. 4; Fisch, Jörg, „Reparationen und Entschädigungen nach dem Zweiten Weltkrieg“, in: „Blätter für deutsche und internationale Politik“, Heft 6/2000, S. 691
88Die Schätzungen westdeutscher Historiker sind stark schwankend, die offiziellen DDR-Daten wurden nicht
akzeptiert. Siehe: „Jahrbuch Wirtschaftsgeschichte“ 1995/2, S. 22 ff; sowie
Roesler, Jörg, „Momente deutsch-deutscher Wirtschafts- und Sozialgeschichte 1945 bis 1990“, Leipziger
Universitätsverlag 2006, S. 46.
89Blum, Ulrich, IWH, “Wirtschaft im Wandel“, Heft 4/2007, S. 113
90Heske, Gerhard, S. 67
91„Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte“ 1995/2, S. 67
92So z. B. führt Albrecht Ritschl aus, dass „durch die ungleiche Verteilung der Flüchtlingsströme“ „der Westen
mit einer Bevölkerungszunahme belastet“ war, „welche die Vorteile des besser erhaltenen
Produktionsapparates aufwog“ und daher „geht der Hinweis auf den durch die Demontagen ausgeübten
Niveaueffekt fehl.“(!) A. Ritschl, in:„Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte“ 1995/2, S. 21/22
93Vergl. hierzu: Karlsch/Laufer (Hrsg.), „Sowjetische Demontagen in Deutschland 1944-1949), Dunker &
Humblot, Berlin 2002, S. 26
94Roesler, Jörg, „Momente …“, S. 46
95„Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte“, 1995/2, S. 65
96„Deutschland Handbuch“, Hauser 1989, S. 640
97Nach Schätzungen lagen die Verluste durch die offene Westgrenze bei 100 Mrd. DM. (Burmester, Siegfried
in: „Ansichten zur Geschichte der DDR“, Bd. 6, S. 173)
98Blessing u. a. , 2006, S. 141
99Steiner, André, in: Hertle/Jarausch/Kleßmann (Hrsg.), „Mauerbau und Mauerfall“, Ch. Links Verlag Berlin, 2002, S. 198
100 Müller, Uwe, „Supergau Deutsche Einheit“, 2005, S. 50
101 Wenzel,Siegfried, Was war die DDR wert?", Das Neue Berlin 2000, S. 176
102 Siehe dazu: „Am Ende des realen Sozialismus“, Bd. 2, S. 14
103 Bundesbank, 1999, S. 33
104 Bundesbank, 1999, S. 42
105 Heske, Gerhard, S. 230
106„Am Ende des realen Sozialismus“, Bd. 4, S. 183, Tabelle Spalte 4
107„Am Ende des realen Sozialismus“, Bd. 4, S. 169, S. 182 Tabelle Spalte 8
108 Mitteilung des Statistischen Bundesamtes vom 5.9.2006
109 So z. B. stiegen die westdeutschen Luftemissionen zwischen 1960 und 1980 von 568,1 Million t auf 817,7
Millionen t , d.h. auf 144 % an. („Zahlenkompass“ 1999, S. 90) Zwischen 1975 und Anfang der 90er Jahre
verdoppelte sich das Bruttoanlagevermögen für den Umweltschutz des westdeutschen Staates und wuchs beim
„Produzierenden Gewerbe“ auf das Zweieinhalbfache. („Zahlenkompass“ 1995, S. 78) Die vorhandenen Altlasten
wurden auf einen westdeutschen Altlastenbestand mit Finanzierungsaufwand von insgesamt ca. 41 Mrd. DM(1989)
geschätzt. (Siehe: BT-Drucksache Nr.11/6191, S. 184)
110 Kusch u. a. (Hrsg.), „Schlussbilanz“, S. 70
111 Müller, Uwe, „Supergau Deutsche Einheit“, S. 50
112N ach Sinn/Sinn, „Kaltstart“, 3. Auflage 1993, S. 276
113 Quelle: http://www.bundesbank.de/statistik/statistik_zeitreihen.php?func=row&tr=bq1715
114 Diese fiskalischen Schulden des deutschen Staates 1990 sind nicht saldierfähig gegen private -
Auslandsguthaben der deutschen Wirtschaft (1990) insgesamt, weil der Fiskus sich durch letztere nicht
entlasten kann.
115 Nach Heske, Gerhard, S. 51
116 Grosser, Dieter, "Das Wagnis der Wirtschafts- Währungs- und Sozialunion " DVA Stuttgart 1998, Reihe Geschichte der Deutschen Einheit, Bd. 2, S. 69
117 Willy-Brandt-Kreis (Hrsg.), „Zur Lage der Nation“, Rowohlt 2001, S. 105
118 Wenzel, Siegfried, 1998, S. 15
119 Mai, Karl, „Zur Mangelwirtschaft der DDR – Versuch einer systemtheoretischen Nachbetrachtung“, im Internet unter www.memo.uni-bremen.de/docs/m2406
120 Siehe auch: Klaus Blessing u. a. „Die Schulden des Westens“, Selbstverlag, 3. Auflage 2006
121 Fischer/Krusch u. a., (Hrsg.), „Gegen den Zeitgeist“ GNN Verlag Sachsen-Berlin 1999, S. 317/318
122 Heske, Gerhard, S. 66/67
123 Siehe: Nach Angaben der Commerzbank in: horizont INTERNATIONAL“, 8/1990, S. 53
124 „Am Ende des realen Sozialismus“, Bd. 4, S. 170
125 Siehe auch dazu die zusammenfassende Analyse von Klaus Steinitz in: Bollinger, Stefan, S. 70 ff. und Steinitz (2007), S. 33f. sowie die fundierten Darstellungen von Siegfried Wenzel hierzu. (u.a. Wenzel, 2000)
126 Kusch u.a.,“Schlußbilanz“, S. 19 ; zitiert nach Bollinger, Stefan, „Sozialstaat DDR“, Hefte zur DDR-Geschichte,
Heft 94, S. 47
127„Am Ende des realen Sozialismus“, Bd. 2, S. 15
128 Steiner, André in: Schultz/Wagner, 2007, S. 154; siehe auch: Steiner,André in: Jatausch/Sabrow (Hrsg.), S. 183