Literaturhinweise
Die im März 2008 erschienene Autobiographie von Hanna Behrend, "Die Überleberin. Jahrzehnte in Atlantis" bezeichnet der Verlag Guthmann-Peterson Wien Mülheim a.d. Ruhr als "einen Glücksfall für den Verlag" und bei den bisherigen Lesungen war das Publikum von den Auszügen aus der ehrlichen und vielseitigen Lebensdarstellung der aus Wien stammenden, nach jahrelanger Emigration in Ostberlin ansässigen Historikerin und Literaturwissenschaftlerin sehr beeindruckt. Ein Leser äußerte sich wie folgt:"Ich las heute im ND die Leseprobe zu Ihrer Autobiografie und bin regelrecht begeistert darüber. Sie haben Gedanken und Überlegungen die ich schon lange über mein eigenes Leben hege, meisterlich in Worte gefasst."
Aus dem „Epilog" der im März 2008 erschienenen Autobiographie:
>ICH WILL ES HERAUSFINDEN, EHE ES ZU SPÄT IST
Im Herbst 2004 begann ich endlich damit, wonach es mich seit
Langem gedrängt hatte. Seit Jahren hatte ich über Sinn und
Zweck, Methode und Adressaten einer Lebensdarstellung nachgedacht.
Ich suchte Dokumente heraus, Zeugnisse, Briefe, Tagebücher,
Fotos und anderes, das mir eine Stütze sein konnte, die
Tatsachen, die in meinem Leben von Bedeutung waren, zu rekapitulieren.
Ob ich mit ihrer Hilfe auch die inneren Zusammenhänge
würde sichtbar machen können, muss sich nun erweisen.
Ich habe versucht, die Wahrheit zu schreiben, nichts hinzuzudichten
und nichts Wesentliches auszulassen. Aber es ist natürlich meine
Wahrheit.
Warum habe ich das gemacht?
Immer schneller vergehen meine Tage, mein langes und doch so
rasch vergangenes Leben nähert sich unaufhaltsam seinem Ende. Gab
es in meinem Leben eine innere Logik, einen Sinn, der sich unter allen
Umständen und diesen zum Trotz realisierte? Was an diesem Leben
konnte ich selbst bestimmen, was habe ich „gestaltet"? Was hat mich geformt?
Werden auch „von meinen Erdentagen Spuren" übrig bleiben?
Am Ende meines Lebens wollte ich es wissen. Und ich wollte herausfinden,
wer war dieses Kind, dieses Mädchen, wer waren diese
jungen, später weniger jungen Frauen, diese alternden und allmählich
alt werdenden Frauen, die zuzeiten alle ich war, wer ist die alte Frau,
die sich in ihrem 83. Lebensjahr Rechenschaft über ihr Leben geben
will? Im Spiegel sehe ich eine alte Frau, aber in mir leben noch immer
all die anderen Mädchen und Frauen, die ich war und die ich durch
diese Lebensdarstellung, wie ich hoffe, zu erneutem Leben erweckt
habe.<
Aus der Rezension von Dr.Stephan Lieske (Jbuch Forschung.Gesch.d. Arbeiterbewegung):
>...Behrends kritische Auseinandersetzung mit ihrem Engagement für die DDR ist bewundernswert. Freimütig beschreibt sie, was sie dazu bewegt hat, in der DDR zumindest Ansätze von Atlantis zu sehen und warum sie sich deshalb für diesen Staat und in der SED engagierte: Bildung war kein Privileg für Kinder aus gut betuchten Familien; als Frau und Mutter bot ihr dieses Land die Möglichkeit, zuerst an der Hochschule für Ökonomie und dann an der Humboldt Universität zu unterrichten und wissenschaftlich zu arbeiten; sie konnte habilitieren und wurde Dozentin für englische Literatur an der Humboldt Universität, u.v.m. Ihre Ehrlichkeit ebenso wie ihr Schmerz, daß nach der Wende viele gute Ansätze für nicht-kapitalistische Gesellschaftsverhältnisse zerstört wurden, stimulieren den Leser auf sehr emotionale Weise zu einem kritischen Nachdenken über eigene politische Positionen, aber auch über die letzten bewegten Jahrzehnte deutscher Geschichte.
Behrend verhehlt jedoch nicht ihre Enttäuschungen in diesen Jahren, weil die realsozialistische DDR oft beengend und frustrierend war und insbesondere in den 1980er Jahren ihren Anspruch auf eine wirklich menschliche Ordung einbüßte. All dies bekam sie am eigenen Leib zu spüren. Ihr eigener wissenschaftlicher Werdegang, den sie als "Karriere ohne Status" beschreibt, illustriert dies sehr deutlich, denn trotz Habilitation und zahlreicher Publikationen erhielt sie als eine kritische, nur sehr bedingt anpassungsbereite Frau keine Professur. Ungeachtet dieser herben Enttäuschungen engagierte sich Behrend für ihre Visionen und baute z.B. zusammen mit KollegInnen aus der DDR, der BRD und Großbritannien ein "Netzwerk Arbeiterliteratur" auf. Nach dem Beginn der Perestroika-Periode in der UdSSR wurde sie zunehmend zu einer Kritikerin der offiziellen Parteilinie, ohne allerdings - wie sie von sich selbst sagt - je eine Dissidentin gewesen zu sein. Für ihre wissenschaftliche Arbeit bedeutete dies ein Überdenken früherer Positionen, in dessen Ergebnis sie sich u.a. von der These von der führenden Rolle der Arbeiterklasse trennte und nach weiteren historischen Subjekten suchte. Ein konkretes Ergebnis dieser Suche war der neue Schwerpunkt Frauen- und feministische Literatur in dem von ihr an der Humboldt Universität betreuten Projekt "englische Arbeiterliteratur", das in der Wendezeit allerdings nur noch außerhalb der Universität realisiert werden konnte.
Die detaillierten und ausführlich dokumentierten Darstellungen ihrer Erfahrung der Wende und der enttäuschten Hoffnung auf eine demokratisch-sozialistische DDR sind mehr als nur bewegende Reminiszenzen eines historischen Umbruchs. Behrend ist - wie der gleichnahmige Titel der von ihr herausgegebenen Schriftenreihe - auf der Suche nach der verlorenen Zukunft und enthüllt den schmerzlichen, aber auch hoffnungsvollen Prozeß der Aufarbeitung ihrer Geschichte und den Versuch eines Neuanfangs, ohne dabei wehleidig zu sein oder in eine Opferrolle zu schlüpfen. Diese Kapitel vermitteln aber auch, wie wichtig es ist, trotz aller Rückschläge im persönlichen wie auch gesellschaftlichen Leben nicht aufzugeben und sich ein Atlantis zu bewahren. Für Behrend sind diese Jahre an der Seite ihrer Mannes die produktivste Phase ihrer wissenschaftlichen Arbeit und ihres sozialpolitischen Engagements.
Behrend beschreibt sehr emotional bewegend am Ende dieser noch längst nicht abgeschlossenen Geschichte ihres Lebensweges, wie sie sich trotz Trauer über den Verlust ihres Mannes und ihre Ängste um die persönliche und gesellschaftliche Zukunft beim Blick aus dem Fenster über ihren heimatlichen Stadtbezirk Prenzlauer Berg freuen kann, denn: "Der Morgennebel hat sich gelichtet. Die Wolkendecke ist hellgrau. Noch durchdringt sie kein Sonnenstrahl, aber das zarte Hellgrau der Wolken verspricht, daß es die Sonne bald schaffen wird.". Dieses Naturempfinden ist die metaphorische Essenz von Behrends ultimativem Geschichtsoptimismus, den sie dem Leser am Schluß des Bandes mit auf den Weg gibt: "Die Zukunft bleibt uns verschlossen. ... Was wir wissen, ist, daß nichts so bleibt, wie es ist, und daß es, solange es Menschen gibt, immer auch Widerstand gegen eine menschenfeindliche ... Ordnung geben wird" (S. 832).
Schriftenreihe des
Gesellschaftswissenschaftlichen Forums e. V.Buchankündigung:
Kleine Gärten einer großen Stadt.
Hrsg. vom
Landesverband
Berlin der Gartenfreunde e. V. [W.Wächter Verlag
Berlin-Bremen]
Berlin 2007
Siehe auch Rubrik Rezensionen
Rezensent: Helmut Meier, Leipzig

Für die Erscheinungsjahre des "Berliner Gartenfreund" von 1981-2007 hat das Mitglied des Gesellschaftswissenschaftlichen Forum e. V., Dr. Werner Gahrig, ein Gesamtregister erarbeitet. Es ist sowohl im Verlag W. Wächter, Berlin 2008, als auch als Sonderheft der Zeitschrift "fakten" (Informationen und Handreichungen für die Verbandsarbeit im Berliner Kleingartenwesen), Berlin, Ausgabe2/Juni 2008, erschienen.
Dieser Registerband ist ein unentbehrliches Hilfsmittel für alle auf dem Gebiet der Kleingartengeschichte wirkenden Chronisten und Historiker. Die im genannten Zeitraum erschienenen Beiträge sind als Vereinsregister - geordnet nach den Verwaltungsbezirken Berlins mit ihren Bezirksverbänden der Gartenfreunde - angelegt, um die Arbeit so praktikabel wie möglich zu gestalten.
Erschlossen sind weiterhin die Bürgerinitiativen von Kleingärtnern. Der Band enthält zudem eine Übersicht über die Arbeitsgruppen zur Kleingärtnertradition in Berlin. Schließlich gibt es Übersichten über die Verbandstage des Landesverbandes Berlin, über die Berliner Laubenpieperfeste sowie über die Kleingartentage der Bezirksverbände in Berlin.
Der Registerband ist beim Verlag W. Wächter GmbH, Bismarckstr. 108, 10625 Berlin, [Einzelpreis 12 € zuzügl. 3 € Porto und Verpackung pro Bestellung] erhältlich.

Peter Lang . Internationaler Verlag der Wissenschaften
Geschichtswissenschaft
Günther Glaser
Armee gegen das Volk?
Zeitgenössische Studie mit
Dokumenten zur Einsatzplanung des Militärs im Innern der DDR (1949-1965/66)
Frankfurt am Main,
Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Wien, 2009. 152 S., 11 Dokumente
ISBN 978-3-631-59596-1 . geb. € (D) 29,80 / € (A) 30,70 / US-$ 43,95 /
L 25,10 / sFr 44,-:
Entgegen anders lautenden Erklärungen planten die SED-, die Staats- und die Armeeführung streng geheim den Einsatz militärischer Kräfte in Konfliktsituationen im Innern der DDR. Auf der Grundlage neu erschlossener und bisher nur teilweise bekannter Archivalien wird dies erstmals durchgehend für fast 20 Jahre belegt. Der Autor sucht nach Antworten auf die Frage, mit welchen Absichten die Spitzen dies taten und welchen Einfluss die sowjetische Führungsmacht darauf nahm. Thematisiert wird, wie die Politik von SED und Regierung in der Gesellschaft aufgenommen wurde und ob die Aussicht bestand , dass die Jugend als Waffenträger sich gegen Andersdenkende einsetzen lassen würde. Will der Autor damit den Blick auf den Beitrag von NVA-Angehörigen zur friedlichen Revolution in der DDR 1989/90 öffnen?
Aus dem Inhalt: Der Einsatz von Militär im Innern des Landes als historisches Problem. Zur Funktion des Militärs in der DDR im Kampf gegen "innere Feinde" bis zum Bau der Berliner Mauer. Bestand nach der Abriegelung die Gefahr eines militärischen Überfalls auf die DDR oder eines Aufstands im Innern? Ausbau der Landesverteidigung im Bündnis. "Verhandlungen mit konterrevolutionären und anderen feindlichen Kräften sind nicht zu führen". Auf dem Weg zu einer "Notstandsdiktatur"? Beschluss und Planungen 1965/66 zur "Sicherung der inneren Ordnung im Verteidigungsfall". Nachbetrachtungen